Buchvorstellung : Münte rennt

Ganz viel Münte, etwas Merkel, etwas Obama – so präsentiert er sich. Moritz Döbler über eine Buchvorstellung mit Franz Müntefering.

Moritz Döbler

Er könnte von Heuschrecken, ruchlosen Managern und Gier reden, aber Franz Müntefering mag sich nicht mit Erklärungsversuchen aufhalten, wie es zur Krise kommen konnte. „Von allem etwas“, lautet die gewohnt knappe Analyse des SPD-Vorsitzenden. Aber was zu tun ist: Da redet er sich warm. „Jetzt sind wir Politiker Getriebene.“

Ein Zehn-Punkte-Programm präsentiert er bei der Vorstellung des Buches „Der Crash des Kapitalismus“, das der Journalist Ulrich Schäfer geschrieben hat. Müntefering will weg von der Strategie der Privatisierung, die auch seine Partei mitgetragen hat, und die staatliche Daseinsvorsorge stärken. In der nächsten Legislaturperiode müsse eine Steuerreform Vermögende stärker belasten. Die betriebliche Mitbestimmung bei Übernahmen müsse gestärkt werden, und ein TÜV für Finanzprodukte solle Anlegern Sicherheit geben. Vor allem aber müsse der Staat seine Investitionen verstärken, zum Beispiel in die ökologische Modernisierung von öffentlichen Gebäuden.

Ganz viel Münte, etwas Merkel, etwas Obama – so präsentiert er sich. Eine Zeitenwende sei derzeit zu erleben: „Es wird anstrengend.“ Zwar seien die Eingriffe des Staates „politisch-ästhetisch nicht sehr schön“, aber eben nötig. Doch der Ausblick des Buchautors Schäfer, der sogar einen Bankrott des deutschen Staates für möglich hält, ist Müntefering zu pessimistisch. „Es ist wahr: Undenkbar ist nichts“, sagt er. „Aber das gilt für beide Himmelsrichtungen.“

Am Montag folgt eine Rezension des Buches auf der Seite „Politische Literatur“.

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