Buchvorstellung : Wie sich die Wirtschaft auf die digitale Arbeitswelt vorbereitet

Detlef Wetzel ist Chef der Gewerkschaft IG Metall. Was bedeutet die Digitalisierung für die Arbeitgeber und für die Jobs, hat er sich gefragt - und ein Buch darüber geschrieben.

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Kontrahenten an einem Tisch: Detlef Wetzel (l.) und Ulrich Grillo Foto: Jörg Carstensen/dpa
Kontrahenten an einem Tisch: Detlef Wetzel (l.) und Ulrich GrilloFoto: Jörg Carstensen/dpa

Revolutionen kommen nicht über Nacht, meint Detlef Wetzel. Manchmal, wenn sie am Horizont auftauchen, kann man ihnen sogar entgegenreisen. Und ein Buch darüber schreiben – so wie es der IG-Metall-Chef nun getan hat. „Die vierte industrielle Revolution ist ja nicht eines Montagmorgens plötzlich da“, sagt er an diesem Mittwochmorgen am Schiffbauerdamm in Berlin-Mitte, wo er das knapp 200 Seiten starke Werk vorstellt.

In „Arbeit 4.0“ geht Wetzel der Frage nach, wie sich die Arbeitswelt durch die fortschreitende Digitalisierung der Wirtschaft, durch das Zusammenwachsen von Industrie und IT verändert. Finden Geringqualifizierte künftig noch eine Stelle? Verlieren Tausende ihren Job? Sind Arbeitnehmer immer erreichbar?

Raupe und Schmetterling

Um Antwort auf diese Fragen zu finden, hat Wetzel seinen Schreibtisch verlassen, wie er sich ausdrückt, und sich auf den Weg in die Betriebe gemacht. Die Gespräche mit Angestellten, Betriebsräten, Arbeitgebern und Wissenschaftlern haben ihn beruhigt. „Für viele Probleme gibt es schon Lösungen“, sagt er.

Zum Beispiel in Zuffenhausen. Porsche habe erkannt, wie wichtig Bildung in einer sich immer schneller entwickelnden Welt bei wachsendem Fachkräftemangel sei. „40 Prozent aller Auszubildenden bei Porsche sind Hauptschüler“, sagt Wetzel. „Wenn so ein junger Kerl auf mich zukommt und sagt: Im letzten Jahr war ich noch eine Raupe, in diesem Jahr bin ich ein Schmetterling – das hat mich berührt.“ 20, 30, unzählige Beispiele ließen sich finden, wie Unternehmen den Herausforderungen der Zukunft bereits entgegengingen.

Reisen bildet nicht nur Gewerkschafter

Bei so viel Wohlwollen kann der Gegenspieler gar nicht anders. „Ich freue mich, dass auch die Gewerkschaften die Digitalisierung positiv sehen“, sagt Ulrich Grillo. Der Industriepräsident ist eigentlich eingeladen, um das Buch kritisch zu würdigen. Auch er habe eine Reise gemacht, berichtet er. An Zukunftsorte: ins Silicon Valley, nach China. Google setze beim selbst fahrenden Auto auf deutsche Steuerungen. Tesla montiere E-Autos mit deutschen Robotern. „Die brauchen uns da.“

Die Industrie hierzulande werde sich verändern. Aber mit verantwortungsvollen Akteuren werde der Wandel gelingen, lobt er Wetzels IG Metall als Mitinitiator des kürzlich gestarteten Bündnisses „Zukunft der Industrie“. Allen Ruhm will Grillo Wetzel dann aber doch nicht überlassen. „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen“, endet er – mit einem Goethe-Wort.

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