Wirtschaft : Bündnis Allianz / Dresdner: Allfinanz-Konzept findet viele Freunde

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Rechtzeitig zur Hauptversammlung der Münchner Allianz AG am Mittwoch haben die Finanzmärkte wieder Vertrauen zu dem vor der Übernahme der Dresdner Bank stehenden Versicherungskonzern gefunden. War das Papier noch bei der ersten Kaufankündigung stark unter Druck geraten, haben Ende Mai präsentierte Details zumindest im Dax für eine Wende gesorgt. Damals hatte die Allianz-Aktie starke Gewinne zu verzeichnen und auch in der aktuellen Börsenflaute ist sie eines der wenigen Bollwerke gegen den Abwärtstrend.

"Die positiven Elemente überwiegen deutlich", meint heute der Vorstandschef der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK), Klaus Schneider, zum Münchner Allfinanz-Konzept. Zwar gebe es zwischen eher "hemdsärmligen" Versicherern und feinen Bankern wohl durchaus die vielfach kritisierten Mentalitätsunterschiede. Die Allianz habe aber eine lange Geschichte von Übernahmen und dabei stets "elegant agiert". Schlecht sei eher, dass ein Institut wie die Dresdner Bank vom Kurszettel verschwindet, weil es von dessen Führung systematisch zu Grunde gerichtet worden sei und nun unter das Dach der Allianz Versicherung schlüpfen muss.

Von dieser Seite her kann Allianz-Chef Henning Schulte-Noelle dem diesjährigen Aktionärstreffen entspannt entgegensehen. An anderer Stelle ist das Mißtrauen aber noch nicht ganz beseitigt. "Intellekuell" sei das Allfinanz-Konzept zwar gut, glaubt ein Sprecher der Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, der Frankfurter Union Investment. Die offene Frage bleibe aber, ob es praktisch auch funktioniert. In der theoretischen Phase habe auch die Fusion von Daimler und Chrysler gut geklungen. Das Gelingen des "atmosphärischen Spagats" zwischen Bank und Versicherer werde sich ganz konkret am Schalter der Dresdner und in der Vertreterschaft der Allianz entscheiden, schätzt der Union-Sprecher. Und das sei ein langer Prozess, der selbst nach Aussagen der Allianz bis 2006 dauern wird.

Die im Markt vorhandenen Fragezeichen bezüglich der Zukunft des Duos Allianz/Dresdner seien dennoch inzwischen kleiner geworden. Beruhigt hat Schulte-Noelle viele Kritiker vorerst mit der Aussicht, zusammen mit der Dresdner Bank hohe Synergiepotenziale heben zu können, die sich binnen fünf Jahren sukzessive auf jährlich rund zwei Milliarden Mark summieren sollen. Dabei schielt man vor allem auf zusätzliche Wachstumsdynamik bei Fondsprodukten und die künftig exklusive Vertriebsschiene Bankschalter. Kultur- und Wissentransfer wollen die Strategen über wechselseitigen Personalaustausch zwischen Bank und Versicherer schaffen. Gerade hier ist eine Analystin der Berliner Bankgesellschaft skeptisch. Banker mit ihren relativ starren Gehältern und die auf Provisionen beruhende Vergütung in der Assekuranz seien zwei Anreizsysteme, die wohl nur schwer unter einen Hut zu bringen seien. Das Gelingen des Konzepts werde in diesem Punkt vom Personal entschieden. Im Prinzip sieht aber auch die Analystin das Konzept vor allem für die Allianz als einen Schritt nach vorn.

Einig sind sich alle Experten darin, dass die von den Allfinanzpartnern in Aussicht gestellten Synergieeffekte in Milliardenhöhe kaum nachprüfbar seien. Gerade durch den Rückenwind der "Riesterrente" stehe die gesamte Finanzbranche vor großen Zuwächsen, die vor allem auch das Fondsgeschäft beflügeln. Wenn Allianz und Dresdner in fünf Jahren eventuelle hohe Gewinne vorweisen, sei es schwierig bis gar nicht nachprüfbar, in welchem Umfang das dann übernahmebedingt gewesen sein könnte, sagen Fachleute. Keine Gefahren erwarten sie auch unisono durch die jüngst verlängerte Prüfung des Übernahmekonzepts durch die Kartellhüter in Brüssel. Die Schaffung des neuen Allfinanzkonzerns sei wahrlich kompliziert und vielfach neu. Das könne aber nur zu zeitlichen Verzögerungen führen. Mit Auflagen oder ernsten Problemen rechnet in der Finanzbranche offenbar niemand.

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