Wirtschaft : Bund hat die Post als Geldquelle ausgeschöpft

Selbst am Börsengang der Postbank ist nichts zu verdienen

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Berlin (fo/dpa). Die Bundesregierung wird nach Einschätzung von PostChef Klaus Zumwinkel wohl 2007 ihre letzten Anteile an der Deutschen Post World Net AG verkaufen. Er halte es für einen „weisen Schritt“, die frühere Bundesbehörde stufenweise bis 2007 zu privatisieren, sagte Zumwinkel in Berlin. Finanzminister Hans Eichel (SPD) hat aber schon heute die Einnahmequelle Post hoch ausgereizt: Der Bund hält nur noch 20 Prozent der Post-Aktien. Großaktionär ist längst die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Frankfurt am Main mit 48,3 Prozent der Anteile. Erst zwei Wochen ist es her, dass Eichel für 5,5 Milliarden Euro erneut Post- und Telekomaktien bei der KfW parkte, um Löcher im Haushalt des Jahres 2003 zu stopfen. Die Bank selbst will die Aktien im Laufe der Jahre an die Börse bringen.

Aber auch der geplante Börsengang der Postbank, heute noch eine 100-prozentige Tochter des Logistikkonzerns Deutsche Post, wird nach den bisherigen Planungen kein Geld in die Kassen des Finanzministers spülen. Zumwinkel versicherte erneut in Berlin, dass die Einnahmen nicht einmal der Postbank selbst, sondern ausschließlich der Post zugute kommen sollen. Im Herbst 2004 will Zumwinkel 49 Prozent der Postbank an die Börse geben – erwartete Einnahmen etwa 2,5 Milliarden Euro.

Dieser Betrag ist – rein zufällig – genau die erwartete Nettoverschuldung des Postkonzerns zum Ende des Jahres 2003. Mit den Einnahmen aus dem Börsengang der Tochter könnte Zumwinkel theoretisch sein Unternehmen schuldenfrei machen. Möglich wäre auch, eine Sonderdividende auszuschütten. Davon hätte selbst Hans Eichel mit seinen – nur noch – 20 Prozent etwas. Denn die Verträge mit der KfW sehen eine Nachbesserung des Verkaufspreises für solche Fälle vor. Doch diese Varianten stehen nicht zur Diskussion. Allenfalls werden die Schulden ein wenig reduziert.

Geplant sind vielmehr die Finanzierung weiterer Investitionen in die internationale Expansion. Die Post stehe im Zuge der EU-Erweiterung um zehn Staaten vor einer großen Integrationsaufgabe, sagte Zumwinkel. „In Europa müssen wir ein Netzwerk für 450 Millionen Menschen bauen.“ Und dieses europäische Logistik-Netzwerk soll unter anderem mit den Postbank-Mitteln ausgebaut werden, versichert der Konzernchef.

Mit Blick auf 2004 zeigte sich Zumwinkel optimistisch. „Ich gehe davon aus, dass wir im nächsten Jahr höhere Gewinne haben als in diesem Jahr“, sagte er. Deshalb könnte auch die Dividende steigen und für Mehreinnahmen bei Eichel führen – völlig unabhängig vom Börsengang der Bank.

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