Wirtschaft : Bund prüft Einstieg bei EADS

KfW-Bankengruppe soll deutschen Einfluss wahren / Louis Gallois wird wohl neuer Airbus-Chef

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Berlin - Entgegen den offiziellen Bekundungen arbeitet die Bundesregierung mit Hochdruck an einem Geheimplan zum Einstieg beim deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS. Im Auftrag von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) soll die KfW-Bankengruppe ein Modell entwickeln, dass einen zeitlich befristeten Kauf von EADS- Aktien möglich macht, heißt es in Regierungskreisen. Unterdessen nimmt die EADS-Führung im Gezerre um die Neuausrichtung des Flugzeugherstellers Airbus die Dinge selbst in die Hand. Louis Gallois, bislang Co-Chef von EADS soll die operative Führung von Airbus übernehmen, verlautete aus Konzernkreisen.

Gallois wird damit Christian Streiff ablösen, der seinen Rücktritt eingereicht hat. EADS wollte die Vorgänge nicht kommentieren. Streiff ist mit seinem radikalen Sanierungkurs für den Flugzeughersteller gescheitert. Sein Programm stellte er am 29. September dem EADS-Verwaltungsrat vor – doch dem gehen die Pläne des Franzosen offenbar viel zu weit. Vor allem der deutsche EADS-Co-Chef Thomas Enders blockt ab. Die Ernennung Gallois als vorläufigen Nachfolger Streiffs soll offenbar das brüchige deutsch-französische Gleichgewicht im Konzern wahren. „Es gibt ganz klar neuen deutsch-französischen Streit“, sagte eine mit den Vorgängen betraute Person in Paris.

Denn neben den Personalfragen steht das Sparprogramm und die künftige Ausrichtung der Airbus-Standorte auf dem Programm. Die Verspätungen beim A380 und der schwache Dollar dürften Airbus bis Ende des Jahrzehnts mit knapp fünf Milliarden Euro belasten. Streiff forderte, die Fertigung des Riesenairbus A380 auf den Standort Toulouse zu konzentrieren und die kleinere A 320-Familie komplett an den Standort Hamburg zu verlagern.

Derzeit prüft die Bundesregierung mehrere Optionen für den Fall, dass Daimler-Chrysler seinen Anteil an EADS weiter reduziert. Der deutsche Autokonzern hält 22,5 Prozent, will den Anteil aber auf bis zu 15 Prozent verkleinern. Die Bundesregierung will verhindern, dass der deutsche Einfluss auf EADS sinkt. „Der deutsche Anteil an EADS-Aktien darf nicht verringert werden“, heißt es in Regierungskreisen. Zwar favorisiert die Regierung eine private Lösung, doch eine kurzfristige staatliche Beteiligung ist nicht ausgeschlossen. „Die staatliche Beteiligung an dem Luftfahrtkonzern soll so ausgestaltet werden, dass die KfW-Bankengruppe dafür keine Aktien von Telekom oder Post verkaufen muss“, sagte ein hoher Regierungsbeamter dem Handelsblatt. Das derzeitige Marktumfeld verbiete dies. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm wies erneut darauf hin, dass ein Einstieg der KfW bei EADS nur eine theoretische Möglichkeit, aber keine aktuell verfolgte Lösung sei. ali/fas/saf (HB)

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