Wirtschaft : Bund soll Energiewende aus Steuern finanzieren Verbraucherschützer schlagen Strompreisreform vor

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Berlin - „Mit der Energiewende ist es wie mit dem Berliner Großflughafen“, meint Gerd Billen. „Die Kosten steigen jeden Tag weiter an, ohne dass jemand mal sagt, wer das alles bezahlen soll.“ Der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV) kritisierte am Donnerstag, die Kosten der Energiewende würden sich zu stark im Strompreis widerspiegeln.

Schon jetzt gebe es zu viele Menschen, die sich den Strom nicht mehr leisten könnten. Etwa 600 000 Haushalten in Deutschland werde jedes Jahr der Strom abgedreht, weil sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen könnten. „Die Kosten für die Energiewende müssen fairer verteilt werden“, sagte Billen. Er fordert deshalb, die EEG-Umlage bei 3,5 Cent je Kilowattstunde zu deckeln. Über die Umlage, die auf den Strompreis aufgeschlagen wird, wird der Ausbau erneuerbarer Energien gefördert.

Würden die EEG-Umlage und die höheren Preise durch Netzentgelte in den kommenden zwei Jahren voll auf die Verbraucher abgewälzt, müsste ein Vier-Personen-Haushalt gut 240 Euro im Jahr mehr für den Strom zahlen, haben die Verbraucherschützer errechnet. „Das ist eine soziale Schieflage“, sagte Billen. Denn die Stromkosten seien für alle gleich hoch, egal wieviel Geld sie verdienten. Ein Teil der Kosten für die Umsetzung der Energiewende sollte deshalb aus dem Bundeshaushalt finanziert werden, fordert Billen. Weil der aus Steuern gespeist wird und deren Höhe wiederum vom Einkommen abhängt, sei das gerechter.

Damit die Energiewende gelinge, muss die Bundesregierung nach Ansicht der Verbraucherschützer zudem mehr Anreize zum Energiesparen schaffen. Zum Beispiel müsse die Energiekennzeichnung für Haushaltsgeräte verbessert werden. „Die Verwirrung beim Kauf eines Kühlschranks ist hoch“, sagte Billen. Die Industrie hätte sich mit ihren Interessen zu stark durchgesetzt. Die Kennzeichnung von A bis G sei zwar richtig, eine Abstufung in die Klassen A+ bis A+++ aber nicht zielführend. Die Firmen wollten so nur Geräte verkaufen, die weniger effizient seien. Auch müsste es bessere Anreize für die Verbraucher geben, damit sie Altgeräte gegen neuere, weniger stromsparende Geräte austauschen. „Wir tun uns noch zu schwer, alte Geräte wegzugeben, die noch funktionieren“, sagte Billen. Carla Neuhaus

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