Wirtschaft : Bund sorgt für neue Aufträge im Osten

Jede fünfte Bestellung geht in die neuen Länder / Einige Branchen zeigen Schwächen / Berlin unterrepräsentiert BONN/BERLIN (uhl/dr).Mit 14,5 Mrd.DM sind im vergangenen Jahr knapp ein Fünftel der Aufträge des Bundes an Unternehmen in den neuen Ländern gegangen.Damit habe im vierten Jahr in Folge ein "hohes Niveau" gehalten werden können, sagte Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt anläßlich der Vorlage eines Berichts an das Kabinett.Dieses Ergebnis sei umso erfreulicher, als Anfang 1996 die Präferenzregelungen zugunsten ostdeutscher Firmen bei der Vergabe öffentlicher Aufträge weggefallen seien. Zusammen mit den inzwischen privatisierten Unternehmen Bahn, Post und Telekom hätten die Bundesministerien und die ihnen nachgeordneten Behörden im vergangen Jahr wiederum knapp 4 Prozent der gesamten ostdeutschen Wirtschaftsleistung bezogen.Nach Einschätzung Rexrodts kann die ostdeutsche Wirtschaft zwar zunehmend der westlichen Konkurrenz standhalten.Aber in dem Bericht wird hervorgehoben, daß die Betriebe in den neuen Ländern zum Teil nach wie vor erhebliche Absatzprobleme hätten. Für die meist jungen Unternehmen reiche es nicht aus, mit modernen Fabrikationsverfahren preislich und qualitativ wettbewerbsfähige Produkte und Leistungen anzubieten.Die Firmen müßten sich mehr um ein professionelles Marketing kümmern, um sich gegen die westliche Konkurrenz zu behaupten.Nach Aussage des Berichts gebe es bei der Abwicklung der Bundesaufträge keine Probleme mit der Qualität, der Ausführung oder der Einhaltung von Fristen.Allerdings werde bisweilen darüber geklagt, daß es für die Informations- und Telekommunikationstechnik, die elektronische Meß- und Wehrtechnik nur wenigeFachkundige, zuverlässige und leistungsfähige Firmen in den neuenLändern gebe. Laut Rexrodt hat sich die unbegrenzte Verlängerung des sogenannten Zubenennungserlasses bewährt.Danach müssen öffentliche Auftraggeber bei allen beschränkten Ausschreibungen und freihändigen Vergaben die Auftragsberatungsstellen der neuen Länder einschalten.Diese würden dann geeignete ostdeutsche Firmen benennen, damit sie zur Abgabe eines Angebots aufgefordert werden könnten. Kritisch wird in dem Bericht vermerkt, daß die "Auftragsberatungsstellen der neuen Bundesländer und Berlin nicht in allen Fällen den auftragvergebenden Stellen ausreichend geeignete ostdeutsche Firmen benennen konnten".Der Leiter der Auftragsberatungsstelle bei der BAO Berlin, Burkard Kühn, bemerkte dazu auf Anfrage, daß in der Stadt und im Umland eben nicht alle Branchen vertreten, oder auch nicht genügend ausgeprägt seien.Am augenscheinlichsten sei dies etwa bei Ersatzteilen für die Transall-Flugzeuge der Bundeswehr.Schwachpunkt könne aber auch die Medizintechnik für die Intensivstationen der Krankenhäuser sein.So müsse er sehr oft Negativmeldungen geben.Bedauerlich sei allerdings auch, daß der Bund oder seine Behörden und nachgeordneten Organisationen meist sehr lange Referenzlisten verlangten und alteingesessene Unternehmen bevorzugten.So könnten die meist jungen Technologiefirmen, beispielsweise aus Adlerhof, nicht mithalten.Manches Mal bestehe bei den Firmen aber auch gar kein Interesse, sich diesem expliziten Wettbewerb, mit zum Teil mehreren hundert Bewerbern, zu stellen. In Paris fand am Mittwoch ein sogenanntes Lieferantenforum zur Unterstützung des ostdeutschen Exportes statt.Veranstalter waren das Bundeswirtschaftsministerium und die Wirtschaftsinivitaive "Wir".Von französischer Seite nahmen namhafte 14 Unternehmen teil, die neue Geschäftsbeziehungen zu ostdeutschen Firmen aufbauen wollen.

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