Wirtschaft : Bund will schnellen Postbank-Verkauf

Anfang 2004 sollen Aktien des staatseigenen Instituts in den Handel kommen – und der Erlös an Hans Eichel fließen

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Frankfurt (Main) (po/rob/HB). Der Bund treibt angesichts leerer Haushaltskassen den Börsengang der Postbank voran. Der Bund hält direkt und indirekt über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW, siehe Lexikon) 69 Prozent des Kapitals der Deutschen Post AG, die wiederum zu 100 Prozent die Postbank kontrolliert. Vom Börsengang der von Wulf Schimmelmann geführten Bank könnte der Bund über eine Sonderausschüttung profitieren. In Kreisen des Bundesfinanzministeriums geht man davon aus, dass der Bund außerdem schon im laufenden Jahr Aktien der Deutschen Post und der Telekom im Wert von rund vier Milliarden Euro bei der KfW parken wird.

Die Postbank wollte zu den Börsenplänen am Wochenende keine Stellung nehmen. Heute entscheiden die Aufsichtsräte von Post und Postbank über das weitere Vorgehen. Ein Listing wird für das erste Halbjahr 2004 in Frankfurt und London angestrebt. Die Post will die Mehrheit an ihrer mit 3,5 bis 4,5 Milliarden Euro bewerteten Tochter behalten, hieß es in Bankkreisen. Der Börsengang der Bank könnte also ein Volumen von bis zu zwei Milliarden Euro haben. Die Finanzdienstleistungssparte ist eng in den Konzern eingebunden, Filialen werden gemeinsam genutzt. Die Bewertung der Postbank ist schwierig, da sie nur im Konzern mitbewertet wird.

InvestmentBanker sind allerdings skeptisch, ob der Zeitplan nicht zu straff ist. Sie halten einen Börsengang Ende 2004 für realistischer. Bei der Postbank gebe es noch viele Hausaufgaben zu erledigen, heißt es. Die Bankbewertungen seien derzeit alle unter dem Buchwert. Deshalb müssten sich alle – auch der Post-Großaktionär Bund – überlegen, welchen Zeitpunkt sie wählten. Zudem sei bei der Post noch einiges zu tun. Ihr Aktienkurs liegt mit rund 15 Euro noch deutlich unter dem Emissionskurs von 22 Euro. Auch die Postbank sei noch nicht reif für den Gang aufs Parkett. Deshalb berate McKinsey die Bank, um sie auf Vordermann zu bringen.

Experten: Zeitplan ist ehrgeizig

Die Zeit drängt nur beim Bund: Sowohl Postchef Klaus Zumwinkel als auch Finanzvorstand Edgar Ernst und Postbank-Chef Wulf von Schimmelmann haben keine Eile, denn eine bessere Story über das Unternehmen bringt auch bessere Preise. Noch Ende August hatte Ernst die Erwartungen auf einen baldigen Börsengang der Banktochter gedämpft und einen Teil-Börsengang nicht vor Ende 2004 in Aussicht gestellt.

Der Bund dagegen benötigt das Geld angesichts der angespannten Haushaltslage dringend und drückt auf das Tempo. Bereits im laufenden Jahr geht man in Kreisen des Finanzministeriums davon aus, dass der Bund Aktien von Deutscher Post und Deutscher Telekom über rund vier Milliarden Euro bei der KfW Bankengruppe parken wird. Mit der KfW wurde ein Rahmen von maximal 5,5 Milliarden Euro für 2003 vereinbart. Bislang hat der Bund noch keinen Euro in Anspruch genommen. Im nächsten Jahr können es nach den bisherigen Haushaltsplanungen maximal zwei Milliarden Euro sein. Möglich wäre es auch, die Erlöse aus einer Platzierung der Postbank in Form einer Sonderdividende an die Aktionäre weiterzureichen.

Für die Postbank wäre eine Börsennotiz bei künftigen Zukäufen hilfreich. Dann kann der Privatkundenspezialist, der mit rund zehn Millionen Kunden in Deutschland den Branchenprimus Deutsche Bank hinter sich lässt, mit eigenen Aktien zahlen. Bei der kürzlich an die DZ Bank verkaufte Norisbank hatte die Postbank auf Grund des zu hohen geforderten Preises einen Rückzieher gemacht.

Bei der Börsennotiz wird mit einer Notierung in Frankfurt und London gerechnet. New York sei möglich, könne aber auch in einem zweiten Schritt erfolgen, heißt es in Investment-Banking-Kreisen.

Die begleitenden Banken sind nach Handelsblatt-Informationen noch nicht festgelegt. Gute Chancen werden Morgan Stanley, Goldman Sachs, UBS und CSFB eingeräumt, die die internationale Schiene abdecken würden. Dazu kommt in jedem Fall die Postbank selbst für Deutschland.

Experten erwarten, dass ein Börsengang der Postbank eine Signalwirkung für den gesamten deutschen Kapitalmarkt haben könnte. 2003 wird es aller Voraussicht nach erstmals seit 1968 keinen Börsengang in Deutschland geben. Allerdings hat sich das Marktumfeld in den vergangenen Wochen weiter verbessert, so dass nun börseninteressierte Unternehmen ihre Pläne wieder vorantreiben. Hans Jörg Schüttler, Managing Director der Investmentbank Morgan Stanley, hält im kommenden Jahr in Deutschland zehn Börsengänge für möglich.

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