Bundesagentur für Arbeit : Stellenvermittler streichen Stellen

Die Bundesagentur für Arbeit trennt sich von 10 000 Mitarbeitern – in Zukunft sollen noch mehr gehen.

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Die Bundesagentur für Arbeit will Stellen streichen.
Die Bundesagentur für Arbeit will Stellen streichen.Foto: dapd

Berlin - Unter der Überschrift „wesentliche Aufgaben“ führt die Bundesagentur für Arbeit (BA) auf ihrer Internetseite an: „Leistungen zur Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen“. Da erscheint die Nachricht, die am Montag vergangener Woche durch die Medien ging, zunächst paradox. 10 000 Stellen will die BA in den kommenden vier Jahren streichen. Weil sie so vielen Menschen zu einem Job verholfen haben, werden die Mitarbeiter des Arbeitsamts bald nicht mehr gebraucht. Sie können vorsorglich schonmal ihren eigenen Namen ins Suchsystem einpflegen.

„Wir unterstützen, dass die Bundesagentur für Arbeit ihre Personalstärke dem anpasst, was ausreichend ist. Die Beitragszahler dürfen nicht mit unnötigen Personalkosten belastet werden“, sagte ein Sprecher der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände dem Tagesspiegel. „Insbesondere, da das ermittelte Potenzial laut BA ohne Kündigungen abgebaut werden kann.“

Allein dadurch, dass Arbeitsplätze von Mitarbeitern, die in den Ruhestand gehen, nicht neu besetzt werden, will die Behörde einen Großteil der Stellen einsparen. Die restlichen, indem sie befristete Arbeitsverträge nicht verlängert. Ausschlaggebend für die Pläne ist die rückläufige Arbeitslosenzahl, die seit Mai dieses Jahres unter drei Millionen liegt. Aber werden deshalb wirklich weniger Mitarbeiter gebraucht?

Tatsächlich, das zeigen die Statistiken, ist in erster Linie die Zahl der Kurzzeitarbeitslosen zurückgegangen, also die der Empfänger von Arbeitslosengeld I. Wer hinreichend qualifiziert ist und frisch aus einem Arbeitsverhältnis kommt, hat momentan auf dem Markt gute Chancen. Vergleichsweise gering verändert hat sich hingegen die Zahl der Erwerbslosen, die Arbeitslosengeld II, gemeinhin Hartz IV genannt, beziehen. Von derzeit 2,9 Millionen Arbeitslosen sind rund zwei Millionen solche schwer vermittelbaren Hartz-IV-Empfänger. Erst kürzlich hat BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt eingeräumt, im Bereich der Langzeitarbeitslosen erzielten die Jobcenter noch nicht die erhofften Erfolge. Hier bestehe ein erhöhter Bearbeitungsbedarf, es müsse nachgebessert werden.

Insgesamt beschäftigt die BA zurzeit 115 000 Mitarbeiter, sie verteilen sich auf die Bereiche SGB II und SGB III. Ersterer betreut nach Sozialgesetzbuch II die Empfänger von Hartz IV, der andere die Kurzzeitarbeitslosen. Hier wie dort gibt es Vermittler, Sachbearbeiter, Empfangspersonal und eine eigene Verwaltung. Deutlich unterscheiden sich bislang nur die Zahlen der Sachbearbeiter: Im Hartz-IV-Bereich sind für die Leistungsbewilligung etwa doppelt so viele Mitarbeiter zuständig wie im Sektor SGB II. Nicht aber im Bereich der Vermittlung, die machen in beiden Zweigen circa 40 Prozent der Beschäftigten aus.

Wilhelm Adamy, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Gewerkschaftsbundes, übt deshalb Kritik an dem Sparvorhaben der BA: „Wenn es auf der einen Seite Personal gibt, das nicht gebraucht wird, sollte das dringend anderweitig eingesetzt werden.“ Insgesamt müsse die Qualität verbessert werden, denn nicht nur Langzeitarbeitslose würden unzureichend betreut, sondern beispielsweise auch mittelständische Unternehmen. „Versuche haben wiederholt gezeigt, dass bei verstärkten Anstrengungen der Berater deutlich größere Erfolge erzielt werden können“, sagt Adamy. Die Rechnung des BA-Vorstandes geht aus seiner Sicht schon deshalb nicht auf, weil zwar der Beschäftigungsgrad steigt, es gleichzeitig aber mehr Fluktuation am Arbeitsmarkt gibt. „Menschen werden befristet angestellt, müssen nach einem Jahr erneut vermittelt werden. Dann sind Berater gefragt“, sagt Adamy.

Dabei ist die BA mit dem, was die Kunden ihr bescheinigen, ganz zufrieden: Durchschnittlich gaben die Erwerbslosen ihr auf den Feedback-Bögen die Note 2,3. Die Arbeitgeber bekamen sogar eine 2,2. Ein sehr ordentlicher Standard, findet BA-Sprecher Ebsen. Fünf Tage dauert es im Durchschnitt, bis jemand zum Beratungsgespräch eingeladen wird. Ein Mitarbeiter betreut aktuell 130 Kunden.

Von der Einführung ihres neuen EDV-Systems erhofft sich die BA aber langfristig eine deutliche Entlastung ihrer Mitarbeiter. Und auch die Kommunalisierung werde schließlich ihre Wirkung zeigen, sagt Ebsen. Bestimmte Dienstleistungen werden derzeit im Zuge einer weitreichenden Umstrukturierung ausgelagert.

Wo genau nach Ansicht der Gutachter wie viele Stellen überflüssig werden, darüber will bei der BA noch niemand Auskunft geben. Fakt ist: Im Süden Deutschlands ist man der Vollbeschäftigung schon sehr viel näher, in Berlin hingegen blieb die Zahl der Arbeitslosen im Vorjahresvergleich unverändert.

Durch die geplanten Maßnahmen will die BA 465 Millionen Euro einsparen. Hält der Trend an, seien sogar 800 Millionen denkbar, sagt Ebsen – dann könne man bis 2015 eventuell auf 17 000 Stellen verzichten.

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