• Bundesanstalt für Arbeit soll ohne Beamte arbeiten BA-Chef Florian Gerster will leistungsabhängige Bezahlung

Wirtschaft : Bundesanstalt für Arbeit soll ohne Beamte arbeiten BA-Chef Florian Gerster will leistungsabhängige Bezahlung

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Berlin (ce). Beim Umbau der Bundesanstalt für Arbeit (BA) soll weitgehend der Beamtenstatus der Mitarbeiter abgeschafft werden. „Wir werden das zurückführen“, sagte BA-Chef Florian Gerster am Donnerstag. Schon in diesem Jahr sollen keine neuen Verwaltungsanwärter mehr eingestellt werden. Derzeit sind etwa 23000 der insgesamt rund 91000 Mitarbeiter Beamte. Im marktnahen Bereich – also in der Vermittlung – bräuchten die Arbeitsämter Mitarbeiter mitmehr Berufspraxis und konkreter Arbeitsmarkterfahrung, sagte Gerster. „Wir brauchen mehr Seiteneinsteiger“, forderte der BA-Vorstandschef. In anderen Bereichen – etwa der Bekämfpung der illegalen Beschäftigung – werde man dagegen Beamte noch eine ganze Weile brauchen. Die BA will außerdem in einen eigenen Tarifvertrag umsteigen, um leistungsabhängige Bezahlung der Mitarbeiter möglich zu machen.

Gerster kündigte an, dass bei der Neuorganisation der Behörde keine Mitarbeiter entlassen werden sollen. „In der Umbauphase sind zusätzliche Ressourcen notwendig“, sagte Gerster. Erst langfristig, wenn die Arbeitslosigkeit deutlich sinke, müsse man über einen „sozialverträglichen und behutsamen“ Abbau des Personals nachdenken. Bei seinem Amtsantritt hatte Gerster für Unmut bei Gewerkschaften und innerhalb der Arbeitsämter gesorgt, als er ankündigte, die Hälfte der Mitarbeiter seien überflüssig. Er appellierte nun an die Mitarbeiter, „die Phase der Irritationen hinter uns zu lassen“. Ob es gelingen wird, die Arbeitsamt-Mitarbeiter für den Umbau zu motivieren, hängt nach Ansicht des Konstanzer Verwaltungswissenschaftler Wolfgang Seibel stark von den Führungspersonen ab. „Motivation kann man nicht verordnen“, sagt Seibel. Für Großorganisationen könne es „kontaproduktiv“ sein, wenn sie innerhalb kurzer Zeit in immer neue Reformprojekte gestürzt würden. In den vergangenen Jahren war mit dem so genannten Arbeitsamt 2000 ein kompletter Umbau begonnen worden, der jetzt wieder gestoppt wird.

Nach Vorstellungen des Vorstands der Bundesanstalt soll auch die Jobvermittlung für Arbeitslose komplett neu organisiert werden und sich künftig stärker am Bedarf der Arbeitgeber orientieren, nicht mehr am bisherigen Beruf. „Wir hängen nicht mehr exklusiv am Begriff des Berufs“, sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt am Donnerstag. Die Arbeitsämter müssten „die Idee der Job-Familien“ nutzen.

Das Hartz-Konzept zur Reform der Arbeitsverwaltung hatte diesen Begriff aufgebracht: Danach soll ein arbeitsloser Elektroinstallateur auch eine Stelle als Anlagenbauer oder als Mess- und Regeltechniker annehmen müssen – oder er muss Einbußen beim Arbeitslosengeld akzeptieren. „Es muss im Interesse liegen, dass schnell vermittelt wird“, begründete Alt. Derzeit ordnen die Ämter Arbeitslose nach ihrem vorher ausgeübten Beruf und dem Anfangsbuchstaben des Nachns – so hatte es des Arbeitsamt 2000 vorgesehen. Künftig soll sich die Vermittlung eher nach realisierbaren Beschäftigungschancen richten. Die Vermittler sollen künftig branchenorientiert arbeiten, kündigte Alt an, so dass jeder Betrieb seinen Ansprechpartner im Arbeitsamt kenne. Zur besseren Zusammenarbeit mit den „Arbeitsmarktakteuren“ auf Landesebene sollen außerdem Verbindungsstellen in den Ministerien eingerichtet werden.

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