Bundesbank-Bericht : Dax-Unternehmen in ausländischer Hand

Deutsche Privatanleger kaufen vor allem regionale Werte und verzichten auf Rendite, stellt die Bundesbank fest.

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Beliebt bei ausländischen Investoren: Dax-Werte.
Beliebt bei ausländischen Investoren: Dax-Werte.Foto: dpa

Ausländische Investoren haben bei deutschen börsennotierten Unternehmen das Sagen – und dies wieder so deutlich wie vor dem Beginn der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008. Nach Angaben der Bundesbank lagen Ende Mai, gemessen am Börsenwert, 57,1 Prozent der Anteile bei ausländischen Eigentümern. Bei den 30 größten im deutschen Aktienindex Dax notierten Konzernen waren es sogar 63,7 Prozent, also knapp zwei Drittel.

Privatanleger in Deutschland besitzen dagegen direkt und indirekt über Fonds nicht einmal zwölf Prozent der deutschen Aktien, im Dax knapp 13 Prozent. Direkt sind es aber nur 5,8 Prozent. Offensichtlich, so die Bundesbank, hätten sie Aktien im Zuge der Finanzkrise gegen risikoärmere Anlagen getauscht. Bemerkenswert auch: Deutsche Kreditinstitute ziehen sich zurück. Während sie 2006 noch einen Anteil von 4,7 Prozent am wertmäßigen Besitz deutscher Aktien hatten, waren es im Mai nur noch 2,7 Prozent.

Die Bundesbank bewertet die dominierende Rolle ausländischer Investoren nicht unbedingt kritisch, sondern sieht darin, wie es im Monatsbericht September heißt, „einen Ausdruck der zunehmenden internationalen Verflechtung“. Zudem sei der hohe, weltweite Bekanntheitsgrad deutscher Traditionsfirmen ausschlaggebend. Davon profitiert allerdings nur ein kleiner Teil deutscher Aktiengesellschaften. Laut Bundesbank gab es 2012 unter den rund 3,7 Millionen deutschen Unternehmen gut 11 000 AGs. Doch nur ein Bruchteil davon ist an der Börse notiert. An der Deutschen Börse in Frankfurt wurden Ende Juli 711 Aktien deutscher Unternehmen gehandelt. Gemessen am Börsenwert ist das weltweit der siebtgrößte Aktienmarkt und in Europa hinter Großbritannien und Frankreich die Nummer drei.

Erstaunlich an der Analyse der Bundesbank ist das sinkende Interesse auch deutscher Banken an deutschen Aktien. Nach Ansicht der Notenbanker sind dafür strengere Regeln der Bankenaufseher verantwortlich. Kaum eine Rolle spielen auch Versicherungen, die gemessen am Wert nur 0,5 Prozent der Dax-Aktien halten.

Grafik: Ulla Schilli

Wenn Privatanleger deutsche Aktien kaufen, dann vor allem Papiere von kleineren Unternehmen aus ihrem lokalen Umfeld. Sie investierten, so die Bundesbank, lieber in das „Bekannte und Vertraute“. Das regional bezogene Anlegerverhalten sei stark ausgeprägt. Allerdings ergebe sich daraus kein Renditevorteil. Generell haben auch Privatanleger, die langfristig auf Dax-Aktien setzen, aber profitiert. Von 1988 bis Ende August 2014 habe sich der Wert der Papiere im Schnitt knapp verzehnfacht, schreibt die Bundesbank.

Bezogen auf den Börsenwert der 30 Dax-Firmen halten Investoren aus der EU (Deutschland ausgenommen) gut ein Drittel der Anteile. Darunter können allerdings auch Anleger aus Regionen außerhalb der EU sein, deren Aktien von Vermögensverwaltern in der EU gehalten werden. Klar erkennbar besitzen US-Anleger 16,5 Prozent der 30 Aktien, aus der Schweiz sind es 5,2 Prozent. Alle ausländischen Anleger haben ihre Anteile seit dem Jahr 2004 deutlich erhöht. Alle anderen Regionen, die Golf-Staaten und Asien eingerechnet, hielten im Mai nur 7,6 Prozent der 30 wichtigsten deutschen Aktien.

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