Bundesbank-Bericht : Rezession schwächt sich in Deutschland langsam ab

Die Investitionen steigen, der Export zieht an, die Konjunkturprogramme wirken: Der freie Fall der deutschen Wirtschaft ist nach Meinung der Bundesbank vorerst gestoppt.

Die Rezession in Deutschland hat sich nach Einschätzung der Bundesbank deutlich abgeschwächt. Der weltweite "Vertrauensschock" verliere langsam an Wirkung, heißt es im neuen Monatsbericht der Notenbank. Auch der Einbruch der Exporte sei nicht mehr so gravierend wie noch vor Monaten. "Nach der rasanten Talfahrt der Industrieproduktion während des Winterhalbjahrs 2008/2009 hat sich die Lage in den Frühjahrsmonaten deutlich aufgehellt", schreiben die Experten der Bundesbank.

Im Frühjahr dürfte die Wirtschaft deshalb im Vergleich zum Vorquartal nur leicht geschrumpft sein, prognostiziert die Bundesbank. Auch das Finanzministerium sieht den freien Fall gestoppt. "Die Entwicklung der vorliegenden Daten stützt die Einschätzung, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal günstiger ausgefallen sein könnte als bisher geschätzt", hieß es. Die Industrie hatte zuletzt drei Monate in Folge steigende Aufträge gemeldet. Produktion und Exporte zogen ebenfalls an.

Das Statistische Bundesamt will eine erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal 2009 am 13. August vorlegen. Im ersten Quartal war das BIP im Vergleich zum Schlussquartal 2008 um 3,8 Prozent eingebrochen. Es war der vierte Quartalsrückgang in Folge und mit Abstand der größte seit Beginn der vierteljährlichen Erhebung im Jahre 1970. Damit steckt Deutschland in der tiefsten Rezession der Nachkriegsgeschichte.

Nach Einschätzung der Bundesbank hat das Exportgeschäft im zweiten Quartal zwar nochmals einen Dämpfer erhalten. Trotzdem könnte der Außenhandel erstmals seit Zuspitzung der Finanzkrise wieder einen positiven Beitrag zur Konjunktur geleistet haben, da die Importe noch stärker eingeschränkt worden seien. Bauinvestitionen dürften aufgrund von Witterungseffekten und staatlichen Infrastrukturprojekten ins Plus gekommen sein, obwohl die Mittel aus den Konjunkturprogrammen bisher erst zu einem kleineren Teil angekommen seien. Gewerbliche Investitionen seien aber weiterhin rückläufig.

Keine Entwarnung gibt die Bundesbank für den Arbeitsmarkt, der der Konjunkturentwicklung in der Regel erst mit zeitlicher Verzögerung folgt. "Das niedrige Produktionsniveau belastet in zunehmendem Maß den Arbeitsmarkt", schreibt die Notenbank. Im Juni waren in Deutschland nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 3,4 Millionen Menschen arbeitslos. Das entspricht einer Quote von 8,1 Prozent, im entsprechenden Vorjahresmonat lag der Wert noch bei 7,5 Prozent.

Quelle: ZEIT ONLINE, cl, Reuters

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