Bundesbank : Büffeln für die Anhörung

Carl-Ludwig Thiele soll in den Bundesbankvorstand. Die Nominierung beunruhigt seine FDP-Bundestagsfraktion.

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Thiele
Carl-Ludwig Thiele -Foto: p-a/dpa

Berlin - Wenn Carl-Ludwig Thiele demnächst in den Vorstand der Bundesbank einzieht, wird er vielleicht ein altes Bild wieder aufhängen. Das Foto ist in den 90er Jahren in Bonn entstanden, im alten Wasserwerk, wo das Parlament einst tagte. Thiele, damals Vorsitzender des Finanzausschusses im Bundestag, sitzt dort neben Altkanzler Helmut Kohl. Gemeinsam mit einer Runde von Finanzexperten beraten sie über die Einführung des Euro. Das Thema hat ihn so beschäftigt, dass er sogar ein Buch darüber geschrieben hat, es heißt „Von der D-Mark zum Euro“. Das Bild mit Kohl hing viele Jahre in seinem Büro.

Carl-Ludwig Thiele, stellvertretender Vorsitzender und finanzpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, ist durch die Bundesregierung als Nachfolger von Bundesbank-Vorstandsmitglied Georg Fabritius nominiert worden. Entschieden ist die Personalie damit noch nicht. Es folgt eine Anhörung durch den Vorstand der Bundesbank. Dass deren Chef Axel Weber den Kandidaten ablehnt, gilt als unwahrscheinlich. Schließlich braucht er die Unterstützung der Kanzlerin, wenn er selbst Chef der Europäischen Zentralbank werden will.

Thiele nimmt das Bewerbungsgespräch trotzdem sehr ernst. Er bereite sich intensiv auf die Anhörung vor, ist aus seinem Umfeld zu hören. Politisch bringt der 56-Jährige viel Erfahrung mit in das Amt. Der hochgewachsene Mann mit den stahlblauen Augen gilt als lösungsorientierter Politiker, der über die Fraktionsgrenzen hinweg Ansehen genießt. Der Vater von fünf Kindern stammt aus Niedersachsen, in der FDP einer der schwächeren Landesverbände. Dass Thiele es trotzdem so weit geschafft hat, spricht für sein politisches Geschick.

1990 zog er in den Bundestag ein, seit 2002 ist er stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Nach der Bundestagswahl nahm er an den Koalitionsverhandlungen zu den Themen Steuern, Finanzen und Haushalt teil. Hier setzte er sich auch für die Zusammenführung der Bankenaufsicht bei der Bundesbank ein, ein Punkt, den er seit Gründung der Bankenaufsicht Bafin im Jahr 2002 vertreten hatte.

Aus der Opposition kommen Vorwürfe, Thiele sei nicht seiner Expertise wegen nominiert worden, sondern weil die Kanzlerin das Vorschlagsrecht der FDP zugestanden hatte. Der Fraktion hingegen werde Thieles finanzpolitische Expertise fehlen, heißt es. Als Nachfolger sind unter anderen Frank Schäffler, bislang FDP-Obmann im Finanzausschuss, oder Daniel Volck, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Steuern und Finanzen, im Gespräch. 

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