Wirtschaft : Bundesbank-Chef Welteke sieht keine Inflationsgefahr

Bundesbank-Präsident Ernst Welteke sieht "noch keine Gefahren für die Preisstabilität" und daher "keine Veranlassung, die Notenbankzinsen im Euro-Währungsgebiet zu verändern". Er halte das Euro-Kurs-Niveau, das seit Wochen um die 1,05 Dollar pendele, für "angemessen", sagte der neue Bundesbank-Chef am Dienstag in Berlin, als er gemeinsam mit dem Präsidenten des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Dietrich Hoppenstedt, das Buch "Die Europäische Zentralbank" vorstellte.

Laut Welteke hat trotz der starken Abwertung des Euro bis Mitte Juli nie eine ernste Gefahr für die innere Preisstabilität im Euroraum bestanden. Inzwischen habe sich die Lage entspannt. Das jetzige Kursniveau stehe auch der Auslandsnachfrage nicht entgegen. Zwar seien deutlich steigende Rohstoffpreise zu beobachten. Ihnen wirkten aber bisher noch starke inländische Preissenkungstendenzen wie durch die Verbilligung der Telekommunikation entgegen. Ähnliche Tendenzen seien am Strommarkt zu erwarten. Überhaupt scheine sich eine Art Basar-Mentalität auszubreiten: "Wenn über Preise verhandelt und die Schnäppchenjagd zum Volkssport wird, dann dämpft das auch den Preisauftrieb."

Im anhaltenden Streit mit den privaten Banken um internationale Bankenregeln und die Kundschaft im globalisierten Kreditmarkt bekräftigte Mitautor Hoppenstedt zwar, seine Hand bleibe ausgestreckt. Er fügte aber warnend hinzu: "Sparkassen und Landesbanken sind nicht der Steinbruch für andere, die durch weniger Wettbewerb ihre Profitabilität erhöhen wollen."

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt sagt im Vorwort des von Welteke mitherausgegebenen Buches dem Euro-Raum eine große Zukunft und den USA größere Probleme voraus. Die großen - Wachstum und Beschäftigung fördernden - Vorteile würden erst im Laufe der Zeit wirksam. "Wegen des den USA ebenbürtigen Gewichts des Euroraumes - gemessen am Anteil des Welthandels und der Weltwirtschaft insgesamt - wird der Euro in weniger als zehn Jahren eine Weltwährung von so großem Gewicht sein, dass es dann keine Dominanz der USA und des US-Dollars mehr geben wird", schreibt Schmidt.

Der Ex-Kanzler fährt fort, die Amerikaner seien auf eine faire Zusammenarbeit mit den Europäern angewiesen. Dann sei zu erwarten, dass der Euro auf Dauer eine höhere Wechselkursstabilität aufweise als die D-Mark in den vergangenen 25 Jahren. Konsequenterweise würden dann die Nicht-Euroländer, prognostiziert Schmidt, ihre Währungsreserven, die bisher überwiegend in US-Dollar angelegt sind, zu großen Teilen in Euro umschichten.Diese Umstellung werde es für die USA schwer machen, was bisher für sie so bequem gewesen sei - nämlich die Rekord-Defizite ihrer Außenwirtschaftsbilanz durch steigende Kapitalimporte und Auslandsverschuldung zu finanzieren, also "durch Inanspruchnahme von Ersparnissen der übrigen Welt".

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