Bundesbank : Der deutsche Tresor

Die Bundesbank wird 50. Mit dem Aufstieg des Euro ist ihr Mythos verblasst. Experten fordern deshalb drastische Reformen.

Stefan Kaiser

BerlinSie gehörte zum Wirtschaftswunder wie D-Mark, VW-Käfer und Ludwig Erhard. Die Deutsche Bundesbank hat den Ruf der Bundesrepublik in der Welt geprägt. „Nicht alle Deutschen glauben an Gott, aber alle an die Bundesbank“, beschrieb 1992 der damalige EU-Kommissionspräsident Jacques Delors, ein Franzose, das besondere Verhältnis der Bundesbürger zu ihrer Zentralbank. Am 1. August wird sie 50 Jahre alt.

Der Ruhm der Bundesbank liegt vor allem in der Vergangenheit begründet. „Die größte Leistung der Bundesbank war es, die D-Mark als Nachkriegswährung hart zu halten“, sagt Hans-Peter Schwintowski, Bankenexperte und Professor an der HU Berlin. Die Bank habe so dazu beigetragen, das Vertrauen der Welt in die deutsche Wirtschaft wiederherzustellen und damit auch das Vertrauen in die deutsche Politik. „Das war das Signal: Mit den Deutschen kann man verhandeln“, sagt Schwintowski.

Neun Präsidenten hat die Bundesbank seit ihrer Gründung gehabt. Wilhelm Vocke war der erste, Axel Weber ist der aktuelle. Dazwischen sorgten vor allem Karl Otto Pöhl und Ernst Welteke für Furore. „Pöhl war der beste“, sagt Bankenexperte Schwintowski. „Er hat die Verwerfungen durch die deutsche Einheit vorhergesehen.“ Pöhl war von 1980 bis 1991 Bundesbankpräsident und damit für die Währungsunion zwischen D-Mark und Ost-Mark zuständig. Pöhl wollte die Währungen nicht im Verhältnis 1:1 tauschbar machen und legte sich mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl an – ohne Erfolg. Kurz darauf trat Pöhl zurück.

Auch Ernst Weltecke gab 2004 nach fünfjähriger Amtszeit seinen Posten ab – allerdings nicht freiwillig. Er war ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten, weil er sich einen viertägigen Aufenthalt im Berliner Adlon-Hotel für rund 7660 Euro von der Dresdner Bank hatte bezahlen lassen. Die Affäre kratzte am Image der als unbestechlich geltenden Bundesbank.

Den Mythos von der Hüterin der Geldwertstabilität gab es da bereits nicht mehr. Er ist mit der Euro-Einführung verblasst. Seitdem führt die Europäische Zentralbank (EZB) das Regiment über die Währung und die Geldpolitik. Die Bundesbank hat dabei nur noch vorbereitende und ausführende Funktionen. Ihr Präsident sitzt zwar im Führungsgremium der EZB. Doch dort ist er nur einer von 19.

Heute sichert die Bundesbank die Bargeldversorgung der Deutschen. Sie überprüft pro Jahr 14 Milliarden Geldscheine auf ihre Echtheit, bevor sie in die Geldautomaten der Banken gehen. Zudem wacht die Bundesbank zusammen mit der Finanzaufsicht Bafin über die Geschäfte der Banken und Sparkassen und organisiert auch deren Zahlungsverkehr untereinander. Und sie hortet noch geschätzte 3400 Tonnen Gold im Wert von mehr als 50 Milliarden Euro, die auch mancher Finanzminister gerne gehabt hätte.

Zwar wird die Bank nicht müde, die Bedeutung der ihr verbliebenen Aufgaben zu betonen. Doch die Kritik an dem 11 000 Mitarbeiter starken Apparat bleibt. „Die Bundesbank hat nur noch relativ wenig Aufgaben. Dafür muss man nicht so groß sein“, sagt Bankenexperte Schwintowski. Das hat die Bank selbst eingesehen und ist dabei, ihren Verwaltungsapparat zu verkleinern. Ziel sind 9000 Mitarbeiter bis 2012. Von ursprünglich 127 Filialen sollen noch 47 übrig bleiben. Doch das besänftigt die Kritiker nur bedingt. „Auch 9000 ist immer noch eine sehr große Zahl, wenn man bedenkt, dass die Behörde eigentlich ihren Job verloren hat“, sagt Schwintwoski. Auch der Finanzwissenschaftler Wolfgang Gerke fordert Reformen. „Man muss sich von Abteilung zu Abteilung ansehen, was noch gebraucht wird.“ Eine Stelle zum Sparen hat er schon ausgemacht. „Was man nicht mehr braucht, sind die regionalen Präsidenten der neun Hauptverwaltungen“, sagte Gerke.

Das sieht Norbert Matysik anders. Er ist der Präsident der Hauptverwaltung Berlin, der auch die Filialen in Cottbus, Potsdam und Frankfurt (Oder) unterstehen. Das Gesetz schreibe die Struktur der Bank mit neun Hauptverwaltungen vor, sagt Matysik. Doch er räumt auch Reformbedarf ein: „Die Aufgaben der Bundesbank haben sich dramatisch verändert.“ Das hat sich auch in Berlin und Brandenburg niederschlagen. Von rund 750 Mitarbeitern Anfang 2003 sind heute noch rund 530 übrig geblieben. In den kommenden Wochen werden die meisten von ihnen umziehen. Nach fast acht Jahren Bauzeit ist der Neubau in der Bismarckstraße endlich fertig. Bau- und Organisationsprobleme hatten das Projekt lange verzögert. Am 1. November soll es feierlich eingeweiht werden. Die Filialen in Frankfurt (Oder) und Potsdam werden aufgelöst. Auch die Berliner Filiale in der Kurstraße zieht mit in das neue Gebäude.

Der Umbau hat nach Angaben der Bundesbank 232 Millionen Euro gekostet. Zu viel, meint der Steuerzahlerbund. Es sei „vollkommen unverständlich, dass die Bundesbank mit riesigem Aufwand ihren Berliner Standort saniert und erweitert“, sagt Präsident Karl Heinz Däke. „Schließlich liegt die geldpolitische Verantwortung seit der Währungsumstellung bei der Europäischen Zentralbank.“ Insgesamt habe Bundesbankpräsident Weber in Sachen Personalabbau aber „Beachtliches geleistet“, sagt er. Die Bundesbank habe sich bewährt. „Ihre ordnungspolitischen Mahnungen sind auch nach der Euro-Einführung unverzichtbar.“

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