Wirtschaft : Bundesbank: Druckprobleme bestätigt

Die Deutsche Bundesbank hat am Dienstag Berichte über produktionstechnische Probleme beim Druck der in Deutschland hergestellten 100-Euro-Banknoten bestätigt. Über weitere Einzelheiten könnten keine Auskünfte erteilt werden, da alle Informationen über Merkmale der Euro-Banknoten vertraulich zu behandeln seien, teilte die Bundesbank in ihrer Erklärung in Frankfurt weiter mit. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hatte von einer Panne beim Druck der 100-Euro-Noten berichtet, die unter Umständen den Neudruck eines Teils der Banknoten erforderlich machen könnte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat nach der Panne beim Druck von Euro-Banknoten vor übertriebener Aufregung gewarnt. Der Euro werde in jedem Fall pünktlich und fälschungssicher zum 1. Januar 2002 in den elf Mitgliedsländern der Währungsunion in Umlauf gebracht, versicherte EZB-Sprecherin Regina Schüller am Dienstag in Frankfurt. "Wir sind im Zeitplan. Es werden auch keine Banknoten ausgegeben, die nicht den vereinbarten Qualitätsstandards entsprechen", sagte sie.

Die Druckerei Giesecke & Devrient (G & D) hat am Dienstag Probleme beim Druck des 100-Euro-Geldscheins bestätigt. Das Unternehmen bestritt dagegen, dass es Schwierigkeiten mit der Fälschungssicherheit gegeben habe. Bei der Herstellung der 100-Euro-Noten sei ein Problem aufgetreten, sagte Konzernchef Willi Berchtold in München. "Der Kopierschutz sowie alle anderen Sicherheitsanforderungen sind jedoch in keiner Weise beeinträchtigt", betonte Berchtold. Es handele sich um eine optische Abweichung auf der Rückseite des Geldscheins, erklärte der G & D-Konzernchef.

Von G & D kommt die Hälfte aller in Deutschland hergestellten Euro-Noten für den Erstbedarf. Die andere Hälfte entfällt auf die Berliner Bundesdruckerei. Insgesamt beläuft sich das Volumen der Erstaufträge der in Deutschland hergestellten Euro-Scheine auf rund vier Milliarden. Für die elf Euro-Mitgliedsländer sind es über 13 Milliarden Scheine.

Der Auftrag für den Hunderter-Euro (196 Mark), bei dem die Panne passiert ist, umfasst rund 325 Millionen Banknoten. Die Scheine werden an die Landeszentralbanken geliefert. Einzelheiten zum weiteren Verfahren wollte Berchtold nicht nennen. Die Ausgabe des Euro zum 1. Januar 2002 sei von G & D-Seite aus nicht in Frage gestellt.

Es ist nicht die erste Panne beim Drucken von Geldscheinen. Im September 1997 mussten innerhalb weniger Tage die Deutsche Bundesbank in Frankfurt/Main und der Gelddruckkonzern Giesecke & Devrient zwei peinliche Produktionsfehler bei der Herstellung von Hundertmarkscheinen einräumen, die als die fälschungssichersten der Welt gelten. Erst tauchten in mehreren bayerischen Städten Geldscheine mit unbedruckter Rückseite auf, dann wurden in Nordrhein-Westfalen neue Hunderter ohne den schillernden Anti-Kopierschutz, das so genannte "Kinegram", entdeckt. Während nur wenige Exemplare ohne das silberfarbene "Kinegram" in Umlauf kamen, verließen von den einseitig bedruckten Hundertern damals 40 Stück die "Geldfabrik" in München, ohne dass der Fehler entdeckt wurde.

Giesecke & Devrient gehört zu den weltweit größten Herstellern von Banknoten und Chipkarten und druckt jährlich rund vier Milliarden Banknoten für weltweit mehr als 60 Zentralbanken. Der Konzern beschäftigt rund 5200 Mitarbeiter und steigerte seinen Umsatz 1999 um fast ein Drittel auf 1,76 Milliarden Mark. Das Unternehmen gilt neben Bertelsmann als aussichtsreichster Interessent für die zur Privatisierung anstehende Bundesdruckerei in Berlin. Beide Großdrucker teilen sich auch die Herstellung der Mark-Banknoten. Pro Tag druckt Giesecke & Devrient etwa 6,5 Millionen in- und ausländische Banknoten. Das Unternehmnen druckt rund die Hälfte des Geldscheinbedarfs der Bundesbank. Insgesamt sind in Deutschland über 2,5 Milliarden Banknoten deutscher Währung im Umlauf, davon allein rund eine Milliarde Hundertmarkscheine.

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