Bundesbank : Ein Nachfolger für Sarrazin

Erstmals in den acht Jahren seit die Bundesbank einen Vorstand hat, rückt mit Joachim Nagel ein Interner in das Leitungsgremium der Notenbank auf. Der 44-jährige Karlsruher leitet derzeit den Zentralbereich Märkte bei der Bundesbank.

Norbert Häring
Joachim Nagel
Joachim NagelFoto: dpa

Die Affäre Sarrazin, die der Bundesbank und ihrem Präsidenten Axel Weber so viel unangenehme Publicity bescherte, hat eine ungeahnte Folge. Erstmals in den acht Jahren seit die Bundesbank einen Vorstand hat, rückt ein Interner in das Leitungsgremium der Notenbank auf. Die Landesregierungen von Rheinland-Pfalz und Saarland, die an der Reihe waren, einen Nachfolger für den zum Rücktritt genötigten Thilo Sarrazin zu benennen, verzichteten darauf, einem politisch verdienten Landeskind zu einem guten Karriereabschluss zu verhelfen. Stattdessen schlugen sie Joachim Nagel für das Amt vor. Der 44-jährige Karlsruher leitet derzeit den Zentralbereich Märkte bei der Bundesbank.

Für Weber, der in der Sarrazin-Affäre wie ein von politischen Vorgaben Getriebener wirkte, ist die Nominierung Nagels ein wertvoller diplomatischer Erfolg. Er hatte Sarrazin bereits loswerden wollen, als dieser vor einem Jahr erstmals mit seinen provokanten Thesen an die Öffentlichkeit gegangen war. Doch seine Vorstandskollegen hatten nicht mitgezogen.

Jetzt könnte Weber sogar gestärkt aus der Krise hervorgehen. Denn bisher waren Bundesbank-Präsidenten kaum je so machtlos wie bei Besetzungsfragen. Ex-Finanzsenator Sarrazin war von Berlin nominiert worden, obwohl bekannt war, dass Weber darüber nicht erfreut war. Zuvor hatte sich Stuttgart mit der Berufung von Rudolf Böhmler sogar über eine negative Stellungnahme des Bundesbank-Vorstands hinweggesetzt.

Wie aus Bundesbankkreisen zu hören ist, gingen der Entscheidung für Nagel zahlreiche Gespräche der Notenbankführung mit den beteiligten Landesregierungen voraus. Dabei habe die Bundesbank darauf gedrängt, dass fachliche Eignung und Kompetenz den Ausschlag geben müssten. Entsprechend betonten der sozialdemokratische rheinland-pfälzische Ministerpräsidenten Kurt Beck und sein saarländischer Amtskollege, der Unionspolitiker Peter Müller, „hervorragende Fachkenntnis und erstklassiges Wissen über die Finanzmärkte“ seien für die Wahl ausschlaggebend gewesen.

Politisch steht Nagel der Sozialdemokratie nahe. Zwischen dem Studium der Volkswirtschaftslehre in Karlsruhe und Promotion am dortigen Lehrstuhl Geld und Währung arbeitete er zeitweilig für den SPD-Parteivorstand in Bonn als Referent. Nagel bringt neben seiner Fachkenntnis eine wichtige Kompetenz mit in den Vorstand: er kann sein Wissen auch der breiten Öffentlichkeit vermitteln. Für seine Doktorarbeit bekam er den vom SAP-Gründungsmitglied gestifteten Klaus-Tschiru-Preis für verständliche Wissenschaft.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben