Wirtschaft : Bundesbank fürchtet Blase

In sieben Großstädten steigen die Immobilienpreise.

Frankfurt am Main - Die Bundesbank sieht erste Indizien für einen ungesunden Boom einiger Immobilienmärkte in Deutschland. Zwar gebe es noch keine Anzeichen für eine Spekulationsblase und ernste Risiken für die Finanzstabilität, erklärten Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger und ihr Vorstandskollege Andreas Dombret bei der Vorstellung des Finanzstabilitätsberichts der Notenbank am Mittwoch. Allerdings berge der teils kräftige Anstieg der Immobilienpreise in und rund um sieben deutsche Großstädte – und vor allem in Berlin – inzwischen Gefahren.

Sollte es zu Preisblasen in den Ballungszentren kommen, könne dies die Finanzstabilität „erheblich gefährden“. Noch sei das Wachstum der Immobilienkredite mit 1,2 Prozent 2011 zu gering gewesen und die Vergabepraxis bei den Krediten traditionell so konservativ, um von etwas Vergleichbarem wie einer Kreditblase sprechen zu können, betonte Dombret. Das finanzielle Umfeld und die Entwicklung der vergangenen Monate sprächen jedoch dafür, dass die Gefahren eher zu- als abnähmen. „Erfahrungen aus anderen Ländern zeigen, dass es gerade im Umfeld niedriger Zinsen und hoher Liquidität zu Übertreibungen an den Immobilienmärkten kommen kann.“ Dagegen hatte Allianz- Vorstand Maximilian Zimmerer am Dienstag noch beschwichtigt: „In Großstädten wie München sind die Preise gestiegen, sie sind aber im internationalen Vergleich noch nicht besonders hoch.“

Hauptrisikofaktor für die Finanzstabilität ist und bleibt nach Ansicht der Bundesbank die Schuldenkrise. „Sollte sich die Staatsschuldenkrise erheblich verschärfen, würde das natürlich auch das deutsche Finanzsystem in Mitleidenschaft ziehen“, sagte Lautenschläger. Zwar hätten sich die Forderungen der deutschen Banken gegen die von der Schuldenkrise besonders betroffenen Länder zuletzt deutlich reduziert. „Dennoch weist das deutsche Bankensystem zur Jahresmitte 2012 nach wie vor erhebliche finanzielle Forderungen gegenüber Italien und Spanien auf, davon knapp 59 Milliarden Euro gegenüber den öffentlichen Haushalten beider Länder“, heißt es in dem Bericht.

Sabine Lautenschläger, früher oberste Bankenaufseherin der Finanzaufsicht Bafin, ist skeptisch, ob eine zentrale Aufsicht über alle Banken in der Euro-Zone vor 2014 starten kann. Die Bankenunion sei „eine hochkomplexe Aufgabe.“ rtr

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