Bundesbank-Gewinn : Anleihen wiegen schwerer als Gold

Die Bundesbank verkraftet den Preisrutsch beim Edelmetall. Ihr Gewinn stammt vor allem aus Zinseinnahmen. Auf welchen Betrag sich Finanzminister Schäuble für 2013 freuen kann, ist aber noch unklar.

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Goldschatz im Keller. Die Bundesbank besitzt 3391 Tonnen Gold (Ende 2012). Nur die US-Notenbank hat mehr.
Goldschatz im Keller. Die Bundesbank besitzt 3391 Tonnen Gold (Ende 2012). Nur die US-Notenbank hat mehr.Foto: picture alliance / dpa

Gold hat im vergangenen Jahr an Glanz verloren – der Preis für die Feinunze stürzte um 27 Prozent ab. Auch der Deutschen Bundesbank bescherte dies erhebliche Verluste – allerdings nur in den Büchern und nicht in ihrer tatsächlichen Gewinn- und Verlustrechnung. Im Gegensatz zur Schweizerischen Notenbank, die wegen der Goldpreis-Baisse für 2013 keinen Gewinn ausschüttet, orientiert sich die Bundesbank nicht am Marktpreis des Goldes – zumindest solange er nicht unter den Preis fällt, mit dem sie das Edelmetall in ihren Büchern bewertet. Und der liegt mit 73,53 Euro pro Feinunze weit entfernt vom aktuellen Preis von knapp 910 Euro.

Die Höhe des Gewinns der Bundesbank für 2013 hängt in allererster Linie an den Zinserträgen und an ihrem Anteil an möglichen Einnahmen aus den von der Europäischen Zentralbank (EZB) bis März 2012 angekauften Anleihen der Krisenländer. Fest steht aber, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auch in diesem Jahr nicht mit einer üppigen Überweisung aus Frankfurt rechnen kann.

Regierungsbildung verzögerte Ergebnis 2013

Für 2012 hatte die Bundesbank einen vergleichsweise mageren Gewinn von 664 Millionen Euro verbucht und komplett nach Berlin überwiesen. Erwartet hatte der Finanzminister 1,5 Milliarden Euro. Welchen Betrag er für 2013 angesetzt hat, ist angesichts der langwierigen Koalitionsverhandlungen und des noch fehlenden Haushaltsentwurfs 2014 noch unklar. Auch Notenbank-Beobachter, wie Michael Schubert von der Commerzbank, tun sich mit genaueren Angaben schwer. Tendenziell gilt: Die Zinseinnahmen aus den normalen Geldleihgeschäften der EZB und der nationalen Notenbanken, die entsprechend ihrer Kapitalanteile beteiligt werden, dürften angesichts der 2013 zweimal gesenkten Leitzinsen – im Mai und November von 0,75 Prozent auf 0,5 und auf 0,25 Prozent – deutlich niedriger ausfallen als 2012. Damals hatte die Bundesbank Zinseinnahmen aus kurz- und längerfristigen Ausleihungen an Banken in Höhe von knapp 640 Millionen Euro.

Der größte Anteil der Zinseinnahmen ergab sich allerdings aus Target 2, dem Zahlungssystem der Zentralbanken des Euro-Raums, mit fast sechs Milliarden Euro, und aus Staatsanleihen der Euro- Krisenstaaten. Zum Teil wurden Papiere fällig, die deutlich unter dem Nominalwert von 100 gekauft worden waren und voll zurückbezahlt wurden, zum anderen fielen Zinseinnahmen an. Insgesamt ergab sich daraus für die Bundesbank ein Gewinn von weiteren 2,9 Milliarden Euro. Allein griechische Anleihen bescherten der Notenbank, wie Präsident Jens Weidmann im März sagte, 2012 Zinseinnahmen von 599 Millionen Euro. Auch 2013 dürfte der allergrößte Anteil der Zinseinnahmen aus Target und den Anleihen stammen. Die EZB hatte Staatspapiere für rund 209 Milliarden Euro gekauft.

Bundesbank besitzt größte Goldreserven nach Fed

Dass die Bundesbank trotz der hohen Zinseinnahmen nur 664 Millionen Euro an den Bund überwies, lag daran, dass sie 6,7 Milliarden Euro in die Rückstellungen packte. Hintergrund, so Weidmann im März, sei die nicht überwundene Staatsschuldenkrise in Europa und die damit auch für die Bundesbank verbundenen Risiken. Notenbank-Experte Schubert schließt deshalb nicht aus, dass die Bundesbank 2014 wieder ähnlich vorsichtig agiert. Damit dürfte sie auch im März kaum mehr nach Berlin überweisen als vor Jahresfrist.

Der Goldschatz der Bundesbank wird dabei angesichts des extrem niedrigen Anschaffungspreises keine Rolle spielen. Konkrete Einbußen dürfte es nur geben, weil sie wie jedes Jahr sehr wahrscheinlich erneut fünf Tonnen an den Finanzminister verkauft hat, der damit Goldmünzen prägt. Mit 3391 Tonnen oder 109 Millionen Feinunzen (Stand Ende 2012) besitzt die Bundesbank nach der US-Notenbank Fed die weltweit zweitgrößten Goldreserven. Ende 2012 waren sie mit 137,5 Milliarden Euro bewertet. Nach dem Absturz des Goldpreises um rund 27 Prozent im vergangenen Jahr waren es Ende 2013 noch rund 100 Milliarden Euro.

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