Bundesbank-Präsident Axel Weber : Karriere im Blick

Bundesbankpräsident Axel Weber wird die Institution nach Ablauf seiner Amtszeit 2012 wohl verlassen. Ein weiterer Kandidat für den EZB-Vorsitz könnte Rettungsfondschef Klaus Regling sein.

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Wohin geht’s? Die Amtszeit von Bundesbankpräsident Axel Weber endet im April 2012.
Wohin geht’s? Die Amtszeit von Bundesbankpräsident Axel Weber endet im April 2012.Foto: dapd

Bundesbank-Präsident Axel Weber wechselt im nächsten Jahr möglicherweise zur Deutschen Bank. Oder er wird schon am 1. November Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Oder der 53-Jährige schielt auf den Chef-Posten des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Washington, sollte sich der derzeitige IWF-Direktor Dominique Strauss-Kahn um die französische Präsidentschaft bewerben. Er strebe nicht unbedingt eine zweite Amtszeit bei der Bundesbank an, soll Weber am Dienstagabend in vertraulicher Runde bei der Bundesbank gesagt haben. Webers erste Amtszeit bei der Bundesbank endet nach acht Jahren im April 2012.

Spätestens am Freitag hat Weber Gelegenheit, sich zu den Spekulationen zu äußern. Nach der Sitzung des deutsch-französischen Wirtschaftsrats tritt er zusammen mit Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) vor die Presse. Webers Rückzugspläne sind auch bei Schäuble wie eine Bombe eingeschlagen. „Die Enttäuschung ist riesig", hieß es im Umfeld des Finanzministers, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Schäuble, der das Vorschlagsrecht für den Chefposten der Bundesbank hat, muss sich nun um einen Nachfolger kümmern.

Bislang galt Weber neben dem Italiener Mario Draghi als heißer Kandidat für die Nachfolge von EZB-Präsident Jean-Claude Trichet, der Ende Oktober aus dem Amt scheidet. Allenthalben wurde Weber unterstellt, dass er in den Eurotower umziehen wolle, wo er bislang schon im EZB-Rat eine wichtige Rolle spielt. Weber habe auch die Unterstützung der Bundesregierung. Und ein Deutscher sei als EZB-Präsident ohnehin an der Reihe.

Umso überraschender sind nun die jüngsten Gerüchte. Aus deutscher Sicht gilt jetzt vor allem Klaus Regling, der Chef des Euro-Rettungsfonds EFSF, als möglicher deutscher Kandidat für die EZB. Regling ist zwar kein Notenbanker, aber ein international hoch angesehener Währungsexperte. Volkswirte befürchten Schaden für die EZB und letztlich auch den Euro, wenn nun jemand an die EZB-Spitze rückte, der weniger deutlich für Preisstabilität und eine stabile Währung eintritt als Weber.

Weniger gravierend wären die Einschnitte bei einem Rückzug Webers aus der Bundesbank. Sie ist zwar weiter eine der wichtigsten Notenbanken im Euroraum, ihre Verantwortung für die Geldpolitik hat sie allerdings schon 1999 mit der Einführung des Euro an die EZB abgetreten. Als erster Kandidat für die Nachfolge von Weber gilt der ehemalige Vizepräsident und Ex-Finanzstaatssekretär Jürgen Stark, der derzeit als Chef-Volkswirt im Direktorium der EZB sitzt.

Vieles spricht dafür, dass Weber im Vorstand der Deutschen Bank landet und dort dann Vorstandschef Josef Ackermann beerbt. Zeitlich würde es passen. Ackermanns Vertrag läuft im Mai 2013 aus

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