Wirtschaft : Bundesbank: Zinsen werden sich bewegen

Tietmeyer warnt mit Blick auf die EWU vor zu starren Annahmen

FRANKFURT (MAIN) (rtr/ddpADN).Bundesbank-Präsident Hans Tietmeyer hat die Finanzmärkte davor gewarnt, das aktuelle Niveau der Geldmarktzinsen als unverrückbar anzusehen.Zwar werde sich die Angleichung der Geldmarktzinsen in den Teilnehmerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) an den niedrigeren Sätzen der Kernländer orientieren, sagte Tietmeyer in einem am Dienstag vorab veröffentlichten Interview der "Börsen-Zeitung".Dies dürfe aber "nicht so verstanden werden, als sei das sozusagen eine Konvergenz auf dem derzeitigen Niveau". "Man kann also nicht davon ausgehen, daß man das derzeitige Zinsniveau als fest ansehen kann", sagte Tietmeyer.In Deutschland sei die aktuelle Stabilitätssituation allerdings relativ gut.Import- und Produzentenpreise stiegen zwar, aber schwächer als zuvor."Das monetäre Potential muß unter Kontrolle gehalten werden; das ist im Augenblick weitgehend der Fall, aber man muß darauf achten, wie sich das weiterentwickelt", erklärte Tietmeyer.Das Risiko einer Deflation sehe er nicht.Die Mehrwertsteuererhöhung dürfe andererseits die Preise nicht hochtreiben.Von den vorgelagerten Stufen dürfe kein Kostendruck kommen.Eine expansive Geldpolitik zur Lösung der wirtschaftlichen Probleme lehnt Tietmeyer ab.Sie löse keine Strukturprobleme.Die USA und Großbritannien hätten die höchsten Zinsen bei "kräftigem Wachstum".Die Bundesbank bleibe bei ihrer Stabilitätspolitik. Die Einführung des Euro führt nach Einschätzung Tietmeyers zu einem verstärkten Wettbewerb am Finanzplatz Frankfurt.Privilegien oder Diskriminierungen werde es aber nicht geben, darauf werde die Bundesbank achten.Sein Institut sieht Tietmeyer für den Euro "gut gerüstet".Die "erheblichen Strukturveränderungen" durch den Euro führten dazu, daß die Bundesbank ihre Zweigstellen von 190 auf 130 reduziere. Mit Blick auf die Finanzkrise in Südostasien forderte Tietmeyer eine wirksamere Überwachung der finanziellen Lage von Ländern durch den Internationalen Währungsfonds (IWF).So habe sich jetzt erst herausgestellt, daß es in Korea eine ganze Reihe von politisch garantierten Verbindlichkeiten gebe.Im Fall Thailand habe bis zur Währungskrise keiner gewußt, daß das Land seine Devisenreserven weitgehend durch Swapgeschäfte gebunden hatte."Hier stellt sich die bisher noch unbeantwortete Frage, wie kann eine bessere Information künftig sichergestellt werden", sagte Tietmeyer.Schuldnerländer dürften nicht annehmen können, daß ihnen im Problemfall mit großen Krediten internationaler Organisationen oder anderer Länder einfach ausgeholfen werde.

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