Wirtschaft : Bundesdruckerei: Das wenig beachtete Kronjuwel

Joachim Sondermann

Ihre Produkte haben die meisten Bundesbürger schon verwendet, dennoch ist die Firma Orga in Paderborn weitgehend unbekannt. Bei Insidern gilt Orga als Kronjuwel der Bundesdruckerei. Denn die Orga ist einer der führenden Chipkarten-Hersteller. Es bietet seinen Kunden nicht nur die Karten samt Software sowie Systemzubehör wie Lesegeräte, sondern Komplettlösungen bis hin zum Versand der personalisierten Chipkarten an die Endabnehmer.

Karten von Orga befinden sich in jedem dritten GSM-Handy in Deutschland. Diese Karten sind es, die den Besitzer gegenüber der Telefongesellschaft als Kunden ausweisen. Orga stellt auch Krankenversicherungskarten her und hat in Deutschland mit rund 150 000 verkauften Lesegeräten für Arztpraxen einen Marktanteil von etwa 80 Prozent. Chips von Orga werden in Bankkarten und Kreditkarten verwendet, ebenso in Rabattkarten für den Handel. Sie dürften künftig eine immer größere Rolle beim Einkauf über Internet oder mit WAP-Handys spielen.

Ein Einsatzgebiet ist die elektronische Signatur. Auf einer Chipkarte wird ein persönlicher Schlüssel untergebracht, der im Computer mittels Lesegerät so mit einer E-Mail oder einer elektronischen Unterschrift verbunden wird, dass der Empfänger sicher sein kann, dass diese tatsächlich von dem angegebenen Absender stammt. Moderne Chipkarten sind selbst kleine Computer mit Datenspeicher. Auf ihnen können Informationen auch verschlüsselt aufbewahrt werden. So können etwa persönliche Gesundheitsdaten auf einer Chipkarte gespeichert werden. Rund 100 Millionen Chipkarten hat Orga im vergangenen Jahr in hochmodernen Werken in Flintbeck bei Kiel, im russischen Zelenograd, in Taubate in Brasilien und Johannesburg in Südafrika hergestellt. Fast 1500 Mitarbeiter für Orga. Der Umsatz stieg 1999 auf den Rekord von 388 Millionen Mark, als Gewinn wurden 30 Millionen Mark ausgewiesen.

In Paderborn sitzt auch die Forschungsabteilung von Orga. In Zukunft werden Chipkarten noch raffinierter und sicherer werden, wie Sprecher Schäfers-Maiwald erläuterte. So ist es dem Unternehmen gelungen, eine nur 80 Mikrometer kleine Schrift per Laser auf die Karten zu schreiben. Damit kann als weiteres Sicherheitsmerkmal der Name des rechtmäßigen Besitzers unauslöschbar auf der Karte festgehalten werden.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben