Wirtschaft : Bundesdruckerei: Reisepässe - ganz privat gedruckt

Rainer Hank

Es wäre ein Witz, wenn der Bund zwar die Gelbe Post privatisierte, den Druck von Briefmarken aber weiterhin als hoheitliche Aufgabe unter eigene Regie stellte. Dennoch ist es eher Zufall, dass jetzt kurz vor dem ersten Handelstag der Postaktie endlich auch die Privatisierung der Bundesdruckerei unter Dach und Fach kommt. Der Staat braucht nur das tun, was er besser kann als andere. Alles andere soll er den Privaten überlassen. Druckmaschienen - auch wenn sie Banknoten, Führerscheine oder Personalausweise fertigen - müssen nicht von Staatsbediensteten bedient werden. Um so besser, wenn diese ordnungspolitische Selbstverständlichkeit auch noch etwas für die Kasse des Finanzministers einspielt. Zwei Milliarden Mark für die Druckerein sind nicht sehr viel, verglichen mit 100 Milliarden Mark UMTS-Lizenzen. Doch der Kaufpreis, den die britische Risikokapitalgesellschaft Apax zahlt, liegt gleichwohl doppelt so hoch als die bisherigen Erwarungen an den Privatisierungserlös. Die Briten lassen sich nicht ängstigen von den drohenden Überkapazitäten am europäischen Markt für den Geldnotendruck. Stattdessen setzten sie auf die hohe Sicherheitstechnik einer Spezialdruckerei. Darüber, ob die Druckerei ohne Restrukturierungen profitabel bleibt, werden die Analysten urteilen - spätestens zum geplanten Börsengang.

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