Wirtschaft : Bundesdruckerei will mehr im Ausland verdienen

Anteil soll auf zehn Prozent steigen / Hoffen auf Zuschlag für den Euro

BERLIN (dpa).Die Bundesdruckerei Berlin will ihr Auslandsgeschäft in den kommenden Jahren deutlich ausweiten.Der Druck von Banknoten, Pässen und Ausweisen für andere Länder werde künftig einen wesentlichen Anteil am Umsatz haben, sagte Geschäftsführer Ernst-Theodor Menke am Mittwoch in Berlin.Ziel sei es, den Anteil des Auslandsgeschäfts in den kommenden drei Jahren von derzeit vier Prozent auf zehn Prozent zu erhöhen.Die vor zweieinhalb Jahren in eine GmbH umgewandelte bundeseigene Druckerei hoffe auch auf einen Zuschlag für den Druck der künftigen europäischen Währung Euro.Geplant sei auch der Erwerb weiterer Firmen.Eine Privatisierung des Unternehmens stehe derzeit nicht zur Diskussion. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete die Bundesdruckerei mit der Herstellung unter anderem von Banknoten, Briefmarken, Ausweisen und Pässen, Postsparbüchern, Gesetzesblättern sowie Dienstausweisen einen Umsatz von 385 Mill.DM.Dies seien zwei Prozent mehr als erwartet, jedoch weniger als 1995.Seinerzeit war ein Umsatz von 417 Mill.DM erzielt worden.Den Gewinn für 1996 bezifferte Menke auf 2,5 Mill.DM.Im laufenden Jahr werde das Ergebnis etwas schwächer ausfallen, da es Umsatzverschiebungen bei Banknoten gegeben habe.Der Umsatz werde 1997 knapp unter 400 Mill.DM liegen.Ursprünglich habe man mehr erwartet.Die Bundesdruckerei beschäftigte im August rund 2300 Mitarbeiter, davon rund 2080 in Berlin, 130 in Bonn und 100 im hessischen Neu-Isenburg. Nach Menkes Worten ist noch viel zu tun, um im internationalen Wettbewerb mithalten zu können.1996 seien fast 70 Mill.DM investiert worden, unter anderem in die Fertigung von Banknoten sowie Ausweisen und Pässen.1997 würden mehr als 100 Mill.DM investiert.Im Ausland wolle man komplette Ausweis- und Paßsysteme anbieten, die von der Antragsstellung über die Verarbeitung bis hin zur Auslieferung der Dokumente reichten.Im Bereich Banknoten wolle man auch vor- und nachgelagerte Bereiche wie Prüfautomaten anbieten.Eingebunden werden sollen auch Hersteller von Papier für Banknoten.Insgesamt sollen auch Kapazitäten im Ausland aufgebaut werden, da die Länder "hoheitliche Dinge eigentlich selbst machen wollen", sagte Menke. Für 1998 sei die Bundesdruckerei auf eine größere Antragswelle für neue Reisepässe und Ausweise eingestellt.Derzeit würden täglich etwa 35 000 Anträge "mit Leichtigkeit" abgearbeitet.Durch die Erhöhung der Kapazitäten auf 70 000 pro Tag werde die Durchlaufzeit von der Antragsstellung bis zur Auslieferung bei den Meldebehörden auf maximal eine Woche reduziert. Zum Geschäft mit Plastikkarten sagte Menke, im Bereich von Hochsicherheitskarten sei die Bundesdruckerei bereits tätig, Bankkarten würden nicht gefertigt.Derzeit entfallen etwa 40 Prozent des Umsatzes auf Ausweise und Pässe, bis zu 20 Prozent auf den Druck von Banknoten und 18 Prozent auf den Druck von Briefmarken.Ein Rückgang im Geschäft mit Briefmarken sei trotz des Multimedia Zeitalters nicht zu erwarten, meinte Menke.

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