Wirtschaft : Bundeseigene Sprungbretter für den Mittelstand

ROLF OBERTREIS

FRANKFURT (MAIN) .Legt man die Zahlen zugrunde, müßte ein kräftiger Aufschwung längst da sein und die Massen-Arbeitslosigkeit der Vergangenheit angehören.Man kann es auch anders sehen: Ohne diese Erfolge sähe es in Sachen Konjunktur düster aus und es gäbe noch mehr Arbeitslose.Die Bilanz der Mittelstandsförderung der beiden bundeseigenen Förderinstitute Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Frankfurt (Main) und der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) in Bonn kann sich sehen lassen.Und dies nicht nur für 1997 und die ersten Monate 1998.KfW-Vorstandschef Gert Vogt wird seit zwei Jahren nicht müde auf die positiven Effekte der Wirtschaftsförderung seines Hauses aufmerksam zu machen.Die Erfolge des vergangenen Jahres stehen beispielhaft für das, was mit Hilfe der KfW-Mittel in den letzten Jahren bewegt wurde.19 Mrd.DM und damit die Hälfte ihrer gesamten Investitionsförderung hat die Bank 1997 an mittelständische Unternehmen gegeben.Bis Ende April waren es in diesem Jahr schon wieder 6,3 Mrd.DM.Die meisten der begünstigten Firmen machen nicht mehr als zehn Mill.DM Umsatz und sind damit klassische Mittelständler."Damit haben wir Investitionen in Höhe von 32 Mrd.DM angestoßen", sagt Vogt.Mit Geld, das ohne Subventionen - bei für die gesamte Laufzeit festen Effektiv-Zinsen von 4,5 bis 5,8 Prozent - für die Unternehmen bei die KfW sehr günstig zu bekommen ist.Das erlaubt eine sichere Kalkulation, was gerade für kleinere Unternehmen lebenswichtig ist.Unterstützt werden von der KfW auch Innovationen, 1997 mit dem Rekordbetrag von 1,6 Mrd.DM.Und immer mehr Mittel fließen in die Förderung von Risiko- und Beteiligungskapital.1997 gab es einen Zuwachs von 60 Prozent auf 630 Mill.DM.

Auch bei der DtA in Bonn, wo man sich vor allem neuen Unternehmen widmet und solchen Mittelständler, die ein Nachfolgeproblem haben, brummt das Geschäft: 1997 hat die Bank 9,4 Mrd.DM an Darlehen und Bürgschaften für die Gründung neuer Unternehmen und für Betriebsübernahmen zugesagt, 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.52 000 Existenzgründer bekamen Geld von DtA, ein Jahr zuvor waren es nur 36 000.Dabei sei die Woge der Gründungswelle von Ost nach West übergeschwappt.Bei der DtA registriert man eine "neue Aufbruchstimmung im Westen".Ihre "Chronik 1997" wimmelt von zufriedenen und zuversichtlichen Kleinunternehmern oder Mittelständlern, die mit Hilfe der DtA eine Firma gegründet haben.Investitionen von 19 Mrd.DM will die DtA mit ihren Krediten angestoßen haben."Der deutsche Mittelstand investiert", faßt KfW-Chef Vogt die Lage zusammen.Ob und wie diese Tatsache insgesamt auf die Wirtschaftslage durchschlägt, vermag man aber in Frankfurt und in Bonn nicht zu sagen.Bei der KfW ist man aber vom Erfolg der geförderten Firmen überzeugt.Schon allein deshalb, weil die Quote der von der KfW geförderten Unternehmen, die wieder aufgeben müssen, im Westen mit 0,2 und auch im Osten mit 0,9 Prozent sehr niedrig ist.Bei der DtA tut man sich mit solchen Quoten schwerer, weil Kredite für Existenzgründer in der Regel fünf oder sogar zehn Jahre tilgungsfrei sind.

Auch mit Blick auf den Arbeitsmarkt geht die Förderstrategie von KfW und DtA auf, glauben die Vorstandschefs Vogt und Eckart von Reden.Eine Million Arbeitsplätze habe die KfW 1997 mit ihren Programmen bei kleinen und mittleren Unternehmen gesichert.Ähnlich positiv war Vogts Stellenbilanz für 1996.Und sie bleibt erfreulich, denn in den erste vier Monaten 1998 sind weitere 300 000 neu oder gesicherte Stellen dazu gekommen.Die Kredite für kleine Unternehmen zahlen sich nach Berechnungen der KfW besonders aus: Schafft eine Firma mit mehr als 50 Mill.DM Umsatz mit einer Investition von einer Mill.DM nicht einmal einen vollen Arbeitsplatz, sind es bei einem Klein-Unternehmen mit weniger als fünf Mill.DM Jahresumsatz zwei neue Jobs.So rechnet sich jede von der KfW geförderte Investition doppelt.Bei innovativen Firmen werden sogar 4,1 neue Stellen registriert.

Nicht weniger positiv fällt die Stellenbilanz bei der DtA aus: 430 000 Arbeitsplätze neu geschaffen oder gesichert, heißt es in Bonn mit Blick auf 1997.Das seien 130 000 mehr gewesen als ein Jahr zuvor.

Fast 1,5 Mill.neue oder gesicherte Jobs - die Bilanz kann sich sehen lassen.Aber es bleiben auch Fragezeichen.Weil nicht deutlich wird, wieviele Stellen wirklich neu entstanden sind.Und wie KfW und DtA zumindest indirekt zum Abbau der Arbeitslosigkeit beitragen.Unbestritten freilich ist der Verdienst der beiden Häuser dafür, daß nicht noch mehr Menschen auf der Straße stehen.

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