Bundesfinanzhof-Urteil : Ausbildungskosten sind steuerlich absetzbar

Lehrlinge und Studenten können nach einem Urteil des Bundesfinanzhofes die Kosten ihrer Ausbildung künftig leichter steuerlich geltend machen. Dem Staat drohen Steuerausfälle in Milliardenhöhe.

Der Bundesfinanzhofes in München hat entschieden, dass Kosten für eine Ausbildung oder ein Erststudium direkt nach dem Schulabschluss unter bestimmten Umständen doch von der Steuer abgesetzt werden können. Foto: dpa
Der Bundesfinanzhofes in München hat entschieden, dass Kosten für eine Ausbildung oder ein Erststudium direkt nach dem...Foto: dpa

Das höchste Finanzgericht in Deutschland widersprach mit zwei am Mittwoch veröffentlichten Urteilen der gängigen Praxis der Finanzämter, wonach die Aufwendungen für die Erstausbildung oder das Erststudium generell nicht mit späteren Steuerzahlungen verrechnet werden können. Ein solches allgemeines Abzugsverbot könne allerdings nicht aus dem Einkommensteuergesetz abgeleitet werden, entschied der Bundesfinanzhof (Aktenzeichen: VI R 38/10 und VI R 7/10).

Die Bundesregierung zeigte sich über den Entscheid verblüfft. “Wir haben die für uns überraschende Entscheidung zur Kenntnis genommen“, sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Martin Kotthaus. “Wir müssen da jetzt gucken, wie auf dieses Urteil zu reagieren ist.“ Zu etwaigen Haushaltsauswirkungen könne er nichts sagen. “Das ist zu früh.“ Mit einer fundierten Stellungnahme sei erst in den kommenden Tagen zu rechnen.
Das Gericht erklärte, in beiden Fällen seien die Kosten der Ausbildung hinreichend konkret durch die spätere Berufstätigkeit der Kläger veranlasst, so dass sie als vorweggenommene Werbungskosten berücksichtigt werden müssten.
In einem Fall hatte ein angehender Pilot geklagt und Kosten von fast 28.000 Euro geltend gemacht. In dieser Höhe beantragte er mit seiner Einkommensteuererklärung 2004, einen Verlustvortrag festzustellen. Sein Argument: Die Ausbildung gleiche vorweggenommenen Werbungskosten für seinen künftigen Job als angestellter Pilot. Im zweiten Fall hatte eine Medizinstudentin geklagt. Die Finanzämter und später auch die Gerichte folgten der Logik der Kläger aber nicht, weil die Kosten nicht im Rahmen eines Dienstverhältnisses zustande kamen.
Die Kosten für die Miete am Studienort, Hochschulgebühren, Computer und Bücher können schnell Summen im fünfstelligen Bereich erreichen. Dem Staat drohen damit Steuerausfälle in Milliardenhöhe. (Reuters)

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