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Bundeskartellamt knöpft sich Ablesedienste vor : Werden Mieter abgezockt?

Firmen wie Techem, Ista und Kalorimeta lesen den Heiz- und Wasserverbrauch ab. Sie machen gute Geschäfte. Auf Kosten der Mieter? Das Kartellamt prüft.

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Ist der Markt für Ablesedienste von Heiz- und Wasser zu konzentriert?
Ist der Markt für Ablesedienste von Heiz- und Wasser zu konzentriert?Foto: picture alliance / dpa

Sie kommen so zuverlässig wie der Weihnachtsmann oder der Osterhase: die Ableser der Firmen Techem, Ista, Brunata-Metrona oder Kalorimeta. Sie laden sich selber ein, hängen Zettel mit ihren Besuchsterminen an die Türen der Mehrfamilienhäuser und erwarten Folgsamkeit. Mieter müssen sich frei nehmen, um dem Ableser die Tür zu öffnen, müssen Couchen wegrücken und Spiegel abhängen, um ihm den freien Zugang zu Heizungsröhrchen oder Wasserzählern zu gewähren. In diesen Tagen ist es wieder so weit, die Ableser sind auf Tour.
Die Prozedur ist nicht nur lästig, sie ist auch teuer. Was viele Mieter nicht wissen: Sie zahlen für die Dienste der Ableser, die überprüfen und notieren, wie stark man geheizt oder wie viel Wasser man verbraucht hat. Die Kosten tauchen später auf ihrer Betriebskostenabrechnung auf.
Möglicherweise zahlen die Mieter aber seit Jahren zu viel. Das will das Bundeskartellamt jetzt untersuchen. Am Donnerstag teilte die Wettbewerbsbehörde mit, dass sie den Markt für Ablesedienste unter die Lupe nehmen will. Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte an, die Behörde wolle mit der Sektoruntersuchung „etwaige Wettbewerbsprobleme aufdecken“. Gegenstand der Analyse sollen die Marktstruktur, die Preise und Erlöse für diese Dienstleistungen sein.

Mieterbund: Mieter zahlen seit Jahren zu viel

Das Problem: Die einen bestellen, die anderen zahlen. Denn Geschäftspartner von Techem und Co sind die Vermieter, denen die Kosten aber egal sein können. Mieterschützer haben daher schon seit langem die Vermutung, dass Mieter zu stark belastet werden. „Der Verdacht, dass die Preise zu hoch sind, liegt auf der Hand“, sagte der Sprecher des Deutschen Mieterbunds, Ulrich Ropertz, dem Tagesspiegel. Obwohl es zahlreiche lokale Firmen gebe, werde der Markt von vier bis fünf Anbietern beherrscht, die alle ähnliche Angebote und Preise hätten. Deren Geschäfte lohnen sich, denn die Firmen decken alles ab: Sie verkaufen die Erfassungsgeräte, lesen den Verbrauch ab, übermitteln die Daten und sorgen auch für die technische Nachrüstung – elektronische Heizkostenverteiler, die per Funk abgelesen werden können.
719 Millionen Euro hat allein Marktführer Techem im Geschäftsjahr 2013/14 umgesetzt und vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen beachtliche 235,2 Millionen Euro verdient. Das kann sich sehen lassen. Kein Wunder, dass der Energie-Dienstleister das Interesse internationaler Investoren geweckt hat. Techem gehört heute einem Fonds der australischen Bank Macquarie.
„Wir sind überzeugt, dass im Rahmen der Untersuchung alle etwaigen Vorbehalte des Kartellamts ausgeräumt werden können“, sagte Techem-Sprecher Robert Woggon dem Tagesspiegel auf Anfrage. Aktuell würden deutlich mehr als 150 Unternehmen in Deutschland Messdienstleistungen anbieten, es gebe einen regen Wettbewerb. Das Bundeskartellamt wird das überprüfen. Sollte die Analyse ergeben, dass einige wenige die Preise diktieren, wird das Amt einschreiten. Möglich sind dann Missbrauchs- oder Kartellverfahren.

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