Wirtschaft : Bundesnachrichtendienst schafft viel positive Energie

Marc Wiese lässt sich vom Bauschlamm im Hof nicht abschrecken. Festen Schrittes steuert der Vorstand der Sanus AG, branchenüblich im Business-Anzug, auf eine der Musterwohnungen im Erdgeschoss zu. Vier junge Designer hat die Sanus beauftragt, potenziellen Käufern eine Vorstellung von der möglichen Ausstattung der Wohnungen zu vermitteln – keine leichte Aufgabe, handelt es sich bei den Musterwohnungen doch um schwierige Fälle, wie Wiese selbst sagt: Erdgeschosswohnungen in Nordausrichtung, die nur von einer Seite belichtet sind und in einem Fall sogar ein völlig fensterloses Schlafzimmer aufweisen.

Schick sind sie geworden, die vier Wohnungen – und Wiese ist zuversichtlich, für die 120 Einheiten im einstigen Reichspostverteilzentrum in der Scharnhorststraße 6/7 bald Käufer zu finden. Stolze 4000 Euro pro Quadratmeter müssen diese im Durchschnitt für die zwischen 54 und 170 qm großen Einheiten in dem langgestreckten, zweiflügligen Komplex bezahlen – und zwar ohne steuerliche Vorteile: Denkmalgeschützt ist das um 1880 errichtete Gebäude nämlich nicht. Das hat immerhin den Vorteil, dass der Bauträger Balkone anbringen kann, ohne sich mit den Denkmalschützern herumschlagen zu müssen.

Bei der Vermarktung setzt Wiese auf die Nähe zum Neubau des Bundesnachrichtendienstes. Allerdings sollen die Wohnungen in der Scharnhorststraße bereits im Herbst 2012 bezugsfertig sein, während die BND-Mitarbeiter nicht vor 2014 ihre Arbeit in Berlin-Mitte aufnehmen werden. „Aber wir gehen davon aus, dass wir Wohnungen auch an Mitarbeiter der Charité und der Ministerien verkaufen werden“, sagt Wiese. Auch seien die Wohnungen für Kapitalanleger interessant: Eine Durchschnittsmiete von 14 Euro/qm sei durchaus zu erzielen.

Das Sanus-Projekt ist bei Weitem nicht das einzige im Umfeld des BND-Neubaus. Besonders bemerkenswert ist das Passivhaus, für das im November in der Boyenstraße 34/35 der Grundstein gelegt worden ist. Bauherr des 21 Wohnungen umfassenden Gebäudes ist eine Baugruppe; für die Planung sind die Berliner Architekten Iris Oelschläger und Christoph Deimel verantwortlich. Nach deren Angaben erzeugt das Gebäude praktisch kein CO2 und weist eine positive Energiebilanz auf. Erreicht wird dies, weil das Haus nicht nur hervorragend gedämmt ist, sondern auch auf innovative Energiegewinnung setzt: Es verfügt über ein erdgasbetriebenes Blockheizkraftwerk und über eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach, so dass es rechnerisch mehr Energie erzeugt als verbraucht. Mit 2350 Euro pro Quadratmeter sind die Neubauwohnungen nur gut halb so teuer wie die Einheiten im benachbarten Sanus-Projekt. Allerdings: Wer bei der Baugruppe mitmachen möchte, kommt zu spät – alle Wohnungen sind vergeben. ch

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