Wirtschaft : Bundespapiere als Maßstab

ROBERT LANDGRAF ((HB))

DÜSSELDORF .Der Euro ist gut gestartet.Das gilt vor allem für europäische Aktien, aber auch für die am neuen gemeinsamen Rentenmarkt gehandelten Anleihen.Es zeigt sich: Festverzinsliche Wertpapiere in der neuen Währung sind attraktiv und deshalb auch gesucht.Anleger aus dem In- und Ausland schenken ihnen ihr Vertrauen und rechnen mit kräftigen Kursgewinnen.Der Erfolg gibt den Anlegern recht, die sich auf der Suche nach Alternativen zu Dollar und Yen befanden.Bei deutschen Anleihen kam es beispielsweise in den letzten Tagen zu kräftigen Kursgewinnen.

Auch die seit dem Jahreswechsel den Investoren angebotenen neuen Euro-Festverzinslichen wurden gut aufgenommen.Beachtlich ist weniger, daß europäische Anleger mit von der Partie waren und kräftig gekauft haben; zu Beginn eines neuen Jahres ist immer reichlich Geld vorhanden, das nach Gelegenheiten zur Wiederanlage sucht.Erstaunlich ist das ungewöhnlich starke Engagement von Fonds, Versicherungen und anderen Kapitalsammelstellen, die außerhalb Eurolands sitzen.Ihnen bietet sich ein Kapitalmarkt, der über Nacht zur Nummer zwei hinter den USA wurde.Nach dem Verschmelzen der vorher währungsbedingt getrennten Rentenmärkte der elf Euroländer sind die Zeiten vorbei, in denen sich die Teilnehmerstaaten der Währungsunion gegenseitig das Leben schwermachten.

Davon profitiert in starkem Maß der deutsche Rentenmarkt.Ein Beispiel hierfür ist die ausgezeichnet aufgenommene jüngste Silvesteranleihe des Bundes; deren Erfolg beruht nicht zuletzt auf der starken Nachfrage aus dem Ausland.Wertpapiere des Bundes standen zwar schon vorher hoch in der Gunst der Ausländer.Nach der Schätzung von Experten waren bereits vor dem Eurostart rund 40 Prozent der Bundesanleihen in den Händen von Investoren außerhalb Deutschlands.In den anderen Euroländern konnten sich ausländische Anleger weit weniger für die dortigen staatlichen Festverzinslichen begeistern.Trotzdem: Mit dem herausragenden Erfolg der neuen Bundesanleihe hatte niemand gerechnet.Die Nachfrage der Anleger übertraf das Angebot um mehr als das Dreifache.Das macht sich für den Bund bezahlt.Er muß deshalb mit durchschnittlich 3,71 Prozent eine so niedrige Rendite bezahlen wie noch nie.

Besonders japanische und amerikanische Investoren sollen sich stark engagiert haben.Dies ist Teil eines allgemeinen Trends, aus dem die neue Bundesanleihe besonderen Nutzen zog.Bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres wurden etwa Japaner als Käufer von Ecu-Anleihen gesehen, um beim Euro dabeizusein.Sie hatten bislang US-Staatstitel bevorzugt.

Die sehr gute Aufnahme der Bundesanleihe bringt noch einen zweiten Effekt mit sich.Sie räumte bei vielen Investoren noch vorhandene Restzweifel aus, daß Bundestitel in Euroland der Maßstab sind, an dem sich etwa Fonds und Versicherungen in ihrer Anlagepolitik ausrichten müssen.Die Großanleger legen sich nun Bundesanleihen ins Depot, um in ihrer Ertragsentwicklung nicht zu stark von der sogenannten Referenzanleihe (Benchmark) abzuweichen.

Das heißt zugleich: Die Zinsen für Bundesanleihen werden in der Regel unter denen des Hauptkonkurrenten Frankreich liegen, der ebenfalls Ansprüche angemeldet hatte, die Benchmark in Euroland anzubieten.Zudem ebnet der Bund mit seinen Papieren generell den Weg für deutsche Schuldner, zu attraktiven Konditionen Geld aufzunehmen.Sie gehören aufgrund der guten Bonitätsbeurteilung zu den aktivsten Emittenten in Europa.

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