Wirtschaft : Bundespräsident vermisst Anstand der Banker

Köhler kritisiert Banker und fordert eine grundlegende Erneuerung der Branche / Commerzbank-Chef: Wir haben verstanden

Rolf Obertreis
Horst Köhler
Deutliche Worte. Bundespräsident Horst Köhler beim Bankenkongress. -Foto: dpa

Frankfurt am Main - Alle wichtigen deutschen Top-Banker waren versammelt. Und Bundespräsident Horst Köhler nutzte die Gelegenheit, ihnen die Leviten zu lesen. „Lassen Sie die Phase hinter sich, in der Sie mit dem Finger auf andere Leute zeigen“, sagte Köhler auf dem Europäischen Bankenkongress am Freitag in Frankfurt am Main. Der Ex-Chef des Internationalen Währungsfonds forderte in seiner scharfen Rede eine grundlegende Erneuerung des Bankgewerbes. Statt der Jagd nach Rendite müssten Demut und Bescheidenheit das Gebot der Stunde sein. „Wir brauchen schlicht Anstand.“ Zudem müssten sich die Banken eines bewusst machen: „Zuallererst sind sie Treuhänder derer, die ihnen ihr Erspartes anvertraut haben.“ Er erneuerte auch seine frühere Kritik, als er den Banken vorgeworfen hatte, die Finanzmärkte zu einem „Monster“ gemacht zu haben.

Martin Blessing, Chef der Commerzbank und Gastgeber der Tagung, räumte ein, dass die Banken Fehler gemacht hätten. „Die Kritik ist berechtigt. Wir haben verstanden.“ Die Branche begrüße daher den weltweiten Regulierungsrahmen, der gerade ausgearbeitet werde. Aber zugleich sollte das zugrunde liegende Prinzip der freien Märkte nicht vergessen werden, warnte Blessing.

Köhler sprach Blessing und die Co-Gastgeber Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann und Dresdner-Bank-Chef Herbert Walter nicht direkt an. Aber der Bundespräsident konnte kaum einen besseren Ort wählen, um den Herren des Geldes ins Gewissen zu reden, immerhin waren insgesamt rund 300 Banker, Notenbanker und Finanzexperten anwesend. Köhler bezog in seiner Kritik allerdings auch die Politik mit ein. „Die Verursacher der Krise sitzen in den Hauptstädten und Finanzzentren der größten Industrienationen.“

Auf die von Köhler geforderte grundlegende Erneuerung des Bankgewerbes hatten die drei deutschen Top-Banker keine Antwort. Sie müssten sich zunächst wieder über die Grundzüge ihres Geschäftes klar werden, glaubt Köhler. Und sie müssten sich um ihre verunsicherten Kunden kümmern. „Seien Sie ehrlich, wenn bei der Beratung Fehler gemacht wurden. Weichen Sie berechtigten Fragen der Öffentlichkeit nicht aus.“ Die wichtigste Aufgabe der Banken sei jetzt, Vertrauen zurückzugewinnen, sagte der Präsident.

Dabei sollten die Geldhäuser Entgegenkommen zeigen und Härtefälle auffangen. Topbanker und Investmentbanker, sagte Köhler, die in den letzten Jahren „viel Geld“ gemacht hätten, könnten mit einem eigenen Beitrag zu einem gesonderten Fonds ein besonderes Zeichen der Solidarität setzen. Blessing wollte diese Idee nicht kommentieren. Er müsse erst einmal genau schauen, wie ein solcher Fonds aussehen solle.

Köhler appellierte zudem nachdrücklich an die Geldhäuser, den Mittelstand nicht im Stich zu lassen und weiter Kredite auszureichen. Der Bundespräsident forderte die Banker auf, im Investmentbanking mehr Verantwortungsgefühl walten zu lassen und Risiken besser einzuschätzen. Das verlange Einfühlungsvermögen, Urteilskraft und Demut. „Besinnen Sie sich auf die Tugenden des soliden Bankiers. Ich sage bewusst Bankier und nicht Banker“, rief Köhler.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben