Wirtschaft : Bundesregierung will Banken unterstützen Kreditanstalt für Wiederaufbau soll Kredite übernehmen

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Frankfurt (Main) / Berlin (ro/dr). Die bundeseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) und die Großbanken gründen gemeinsam eine Gesellschaft, die Mittelstands und Wohnungsbau-Kredite der Geschäftsbanken übernimmt, bündelt und am Kapitalmarkt an institutionelle Anleger wie Investmentfonds und Versicherungen weiterverkauft (siehe Lexikon Seite 16). Diese Good Bank soll nur erstklassige und gesunde Kredite übernehmen. Risiken für den Bund und die Steuerzahler sollen dadurch ausgeschaltet werden.

Über das neue Unternehmen, dessen Details am heutigen Mittwoch in Frankfurt (Main) erläutert werden, soll den Banken neuer finanzieller Spielraum zur Bewältigung der eigenen Probleme und zur Vergabe neuer Kredite eröffnet werden. „Eine solche Gesellschaft ist ein guter Schritt, wenn es richtig gemacht wird“, sagte Professor Wolfgang Gehrke, Bankenexperte der Uni Nürnberg, am Dienstag dem Tagesspiegel.

Die KfW selbst wollte sich am Dienstag zur neuen „Finanzmarktinitiative“ nicht äußern. Allerdings wurde in Frankfurt betont, dass der Bund mit der Initiative nichts zu tun habe. Sie käme von den Banken. Es gehe auch nicht um die Rettung der Banken. „Das ist ein reines Finanzierungsinstrument. Wir wollen in Deutschland einen Markt entwickeln, der in den USA und Großbritannien längst etabliert ist. Es geht um die Konkurrenzfähigkeit des Finanzplatzes Deutschland“, sagt ein Insider. Fest steht, dass neben der Kreditanstalt für Wiederaufbau die Commerzbank, die Deutsche Bank, die Dresdner Bank, die DZ Bank und die Hypo-Vereinsbank an der neuen Zweckgesellschaft beteiligt sein werden. Die Verhandlungen laufen bereits seit Wochen.

Sparkassen prüfen Beteiligung

Die Sparkassen haben nach eigener Aussage über eine Beteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen noch nicht entschieden. Die Sparkassen-Finanzgruppe begrüße die Initiative der Bundesregierung, die Rahmenbedingungen für Verbriefungen zu verbessern, sagte ein Sprecher dem Tagesspiegel. Die Gruppe führe ebenfalls Verbriefungen durch und verfüge über die für dieses Geschäft notwendige Expertise. Ob die Marktchancen für Verbriefungen in einem Gemeinschaftsunternehmen besser seien, werde derzeit geprüft.

Vermutungen, dass es sich bei dem neuen Institut um die vor wenigen Wochen diskutierte Bad Bank zur Übernahme fauler Kredite handeln könnte, wurden in Bankenkreisen entschieden zurückgewiesen. „Es wäre absurd, wenn die KfW zum Retter der Banken gemacht würde.“ Nach Ansicht von Banken-Experte Gehrke wäre eine Bad Bank inakzeptabel, „weil schlechte Kredite in die neue Gesellschaft wandern und somit Verluste sozialisiert werden“.

Konjunktur wird gestützt

Die Good Bank bietet, so Gehrke, für die Kreditinstitute den „Riesenvorteil“, dass sie von der Top-Bonität der KfW – sie genießt als staatseigenes Institut das Spitzen-Rating AAA – profitieren und über die Weitergabe von guten Krediten zu marktüblichen Konditionen auf einem günstigen Weg neuen finanziellen Spielraum gewinnen. „Damit will man die Banken zweifelsohne stärken.“ Zum anderen gehe es darum, den Kreditfluss an die Wirtschaft nicht abbrechen zu lassen. Durch den Verkauf der Kredite an die Good Bank wird bei den Banken Eigenkapital frei, das zur Absicherung neuer Kredite genutzt werden kann. Angeblich erhofft sich die Bundesregierung durch die Good Bank die Stützung von Konjunktur und Arbeitsmarkt.

Üblich ist in Deutschland bisher nur der Verkauf des Kreditrisikos, die so genannte synthetische Verbriefung. Der Kredit selbst bleibt in den Büchern der Bank und muss mit Eigenkapital refinanziert werden. Geplant ist nun offenbar die vor allem in angelsächsischen Ländern verbreitete Variante einer so genannten realen Verbriefung. In diesem Fall wird der Kredit auf dem Kapitalmarkt verkauft und muss damit von dem Institut nicht mehr refinanziert werden.

Die neue Gesellschaft, die dem Vernehmen nach zunächst über Kredite in einem Volumen von rund 50 Milliarden Euro wachen und diese weitergeben soll, folgt den bereits seit längerem von der KfW praktizierten Kredit-Verbriefungsprogrammen Promise (für Mittelstandskredite) und Provide (für Wohnungsbaukredite).

Über Promise wurden seit Herbst 2000 unter anderem der Hypo-Vereinsbank, der Dresdner Bank, der DZ Bank, der Commerzbank, der Baden-Württembergischen Bank und der Bank Austria Kredite mit einem Volumen von fast 14 Milliarden Euro abgenommen, bei Provide sind seit Herbst 2001 ebenfalls rund 14 Milliarden Euro zusammengekommen, unter anderem von der Depfa, der Rheinhyp, der BHW, aber auch von kleineren Banken. KfW-Vorstandssprecher Hans W. Reich hat dabei immer wieder darauf hingewiesen, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau nur gute, „nicht leistungsgestörte“ Kredite übernimmt. Promise und Provide sollen unabhängig von der neuen Good Bank weitergeführt werden.

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