Buon giorno : Warum es italienische Gründer nach Berlin zieht

Rund ein Dutzend italienische Start-ups sind in Berlin aktiv. Auch wenn die Finanzierung oft noch das größte Problem ist, sprechen viele Argumente für die deutsche Hauptstadt als Firmensitz.

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Netzwerken lässt sich in Berlin besser als in Mailand. Finden zumindest italienische Start-up-Unternehmer.
Netzwerken lässt sich in Berlin besser als in Mailand. Finden zumindest italienische Start-up-Unternehmer.Foto: dpa

Die Arbeitslosenquote liegt über zwölf Prozent, immer mehr Menschen verlassen Italien und suchen ihr Glück in Deutschland. Aber nicht alle Italiener, die nach Berlin ziehen, tun das, um Kellner oder Pizzabäcker zu werden. Für viele ist die Reise nach Norden nicht nur ein Ausweg aus der Arbeitslosigkeit, sondern vor allem eine Gelegenheit, die eigenen Geschäftsideen zu realisieren.

Zur Zeit sind in Berlin etwa ein Dutzend italienische Start-ups aktiv. Dabei handelt es sich vor allem um IT-Spezialisten und Anbieter von Online-Diensten. Warum Berlin für viele Italiener so attraktiv ist, erklärt Fabio Corfone, 27, Gründer von Marzapane.de. „In Berlin ist ein Unternehmer gezwungen, global zu denken. Darüber hinaus ist das wirtschaftliche Ökosystem der Hauptstadt sehr offen und dynamisch“, sagte Corfone am Montag auf einem Symposium der italienischen Botschaft und der Deutsch-Italienischen Handelskammer in Berlin.

Obwohl sein Hauptquartier an der Spree ist, ist Corfones Unternehmen durch und durch italienisch. Marzapane.de bietet den registrierten Usern die Möglichkeit, Gourmet-Kits zu bestellen, um einige der populärsten italienischen Gerichte zuzubereiten. „Die Zutaten kommen alle aus Italien und sind bereits für die Zubereitung eines bestimmten Gerichts dosiert“, erklärt der Unternehmer. Bevor er seine Mini-GmbH gründete, arbeitete Corfone als Marketing-Berater bei Rocket Internet und Zalando. „Da fiel mir auf, wie entschlossen deutsche Unternehmer sind, wenn es darum geht, eine bestimmte Marktlücke zu füllen.“ Die Idee für Marzapane.de kam ihm vor ungefähr einem Jahr. „Am Anfang zögerte ich“, erzählt der studierte Ökonom, „doch dann schaute ich mich um und sagte mir: Ich bin im richtigen Moment am richtigen Ort: Jetzt oder nie.“ Inzwischen arbeiten bei Marzapane.de zehn Menschen: acht Italiener und zwei Deutsche.

Auch bei Urlist (urli.st) ist die Atmosphäre international. Den Online-Dienstleister gründete Alberto Granzotto vor ungefähr zwei Jahren in Mailand und verlagerte ihn später nach Berlin. Die Idee für eine Webseite, die Online-Ressourcen auflistet, hatte der 31-jährige Informatiker während seines Studiums in England. In Mailand gab es allerdings keine Möglichkeit, ein Netzwerk mit anderen Start-ups der Branche aufzubauen. „In Mailand gab es nur selten Konferenzen, bei denen man sich mit anderen Entwicklern austauschen konnte. In Berlin finden diese Events im Gegenteil fast täglich statt.“ Dagegen lässt die Finanzierung noch zu wünschen übrig. Die italienischen Start-ups verlassen sich zum Großteil auf italienische Investoren. Das könnte sich allerdings ändern. Denn für die italienischen Start-ups interessieren sich jetzt auch deutsche Investoren wie die IBB und Early Bird Venture Capital.

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