Wirtschaft : Burda bleibt in den schwarzen Zahlen Verlagshaus spürt aber deutlich den Anzeigenrückgang

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München / Berlin (pes/HB/avi). „Nach Jahren voller Neid und Missgunst endlich die glückliche Versöhnung: Beim Jubiläum ihres alten Gymnasiums in Stockholm erlebten alle die süßen schwedischen Prinzessinnen Victoria und Madeleine in ungewöhnlicher Eintracht.“ Aus diesem Stoff sind die Blätter gemacht, mit denen das Verlagshaus Hubert Burda Media der Werbekrise trotzt. Denn die „FreizeitRevue“ mit ihren Society-Dramen, Rätselseiten und Kochtipps ist der größte Gewinnbringer des Familienverlags, teilte Burda bei der Präsentation des Verlagsgeschäftsjahres am Dienstag mit.

Auch am Verlag bekannter Titel wie „Focus“, „Bunte“, „Freundin“ und „Elle“ ist die allgemeine Werbekrise nicht spurlos vorübergegangen: „Das operative Konzernergebnis ist 2002 zurückgegangen“, sagte Vize-Vorstandschef Jürgen Todenhöfer. „Wir sind aber auch jetzt nicht in den roten Zahlen, sondern im gesunden schwarzen Bereich.“ Konkretere Angaben zum Ergebnis gibt es über den Verlag, dessen Anteile bei der Familie Burda liegen, nicht.

Beim Umsatz hat das Verlagshaus leicht zulegen können: Burda setzte mit 1,4 Milliarden Euro um 0,6 Prozent mehr um als noch 2001. Burda hatte im vergangenen Jahr das ostdeutsche Verbrauchermagazin „Guter Rat“ von der WAZ-Gruppe übernommen und so beim Gesamtumsatz wachsen können. Für das laufende Jahr rechnet der Verlag mit leichtem Umsatzwachstum und einem stabilen Ergebnis. 71 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Burda mit Zeitschriften, den Rest mit Druckaufträgen, Direktmarketing und Zeitungen.

Der Frauen-Titel „Freizeit Revue“ erzielte nach Burda-Angaben einen zweistelligen Millionen-Gewinn, und ist damit vor „Focus“ und „Bunte“ das profitabelste der insgesamt 235 Burda-Blätter. Das Anzeigengeschäft sei in diesem Jahr dagegen weiter „breit rückläufig“, sagte Todenhöfer. Voraussichtlich würden die Brutto-Werbeerlöse noch einmal um 7,5 Prozent zurückgehen. Noch zu Beginn dieses Jahres hatten die meisten deutschen Verlagsmanager auf eine rasche Erholung ab dem Sommer gesetzt.

Burda hatte im vergangenen Jahr mit einem Brutto-Werbeumsatz von 527 Millionen Euro hinter dem Bertelsmann-Verlag Gruner + Jahr (G+J) den zweitgrößten Anteil am deutschen Anzeigenmarkt. Allerdings büßte das Verlagshaus mehr als acht Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Damit liegen die Burda-Zeitschriften sogar etwas schlechter als der Marktdurchschnitt. Für alle Publikumszeitschriften gingen im vergangenen Jahr die Werbeeinnahmen um 7,2 Prozent zurück.

Ein klares Bekenntnis gibt Todenhöfer, der Vorstandschef Hubert Burda schon seit seiner Schulzeit kennt, zum Wirtschaftsmagazin „Focus Money“ ab. „Wir werden nicht aufgeben“, sagte Todenhöfer, „der Bereich Wirtschaft ist wichtig für uns.“ Der Titel mache zwar Verluste, habe aber im vergangenen Jahr den „besten Ergebnissprung“ aller Burda-Titel vorgewiesen.

Laut der Anzeigenstatistik der Branche hat „Focus Money“ im ersten Quartal über 15 Prozent weniger Anzeigenseiten als im Vorjahr. Damit konnte sich der Titel allerdings besser schlagen als das Magazin „Börse Online“ von G+J, das mehr als 38 Prozent der Anzeigenseiten verlor. In der Branche war über die Zukunft von „Börse Online“ spekuliert worden, nachdem der Verlag das Heft von der Teilnahme an der Media-Analyse zur Erhebung von Anzeigenpreisen ausgeschlossen hatte. Bei Burda hieß es allerdings, man habe an dem Erwerb der Zeitschrift „kein Interesse“. Wohl aber an einer Übernahme der Abonnements, sollte „Börse Online eingestellt werden. Dabei lässt sich doch mit süßen schwedischen Prinzessinnen leichter Geld verdienen als mit Anlagetipps und Aktieninfos: Victoria und Madeleine verkaufen sich auch in der Börsenflaute gut.

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