Wirtschaft : Bush holt Volkswirt von Harvard ins Weiße Haus

Der Ökonom Gregory Mankiw wird neuer Chefberater für Wirtschaft / Vorgänger Hubbard geht zurück in die Forschung

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New York (pf). Präsident George W. Bush hat in der Nacht auf Donnerstag den HarvardProfessor Gregory Mankiw zum obersten Wirtschaftsberater im Weißen Haus ernannt. Der 45-Jährige löst Glenn Hubbard ab, der am Mittwoch überraschend zurückgetreten ist. Mankiw sei ein guter, auf Geld- und Fiskalpolitik spezialisierter Volkswirt, der sich jedoch als Verfasser von Lehrbüchern für den Hochschulbetrieb in allen Bereichen auskenne, urteilte sein Harvard- Kollege Jeffrey Frankel.

Mankiws Vorgänger, der 44 Jahre alte Hubbard, ist der Architekt des Steuersenkungsentwurfs der Bush-Administration. Der Plan sieht Steuersenkungen in Höhe von 690 Milliarden Dollar über zehn Jahre vor. US-Präsident Bush hofft, damit die Wirtschaft anzukurbeln. Bei den Demokraten ist der Plan jedoch auf scharfe Kritik gestoßen: Steuersenkungen würden den Fehlbetrag im amerikanischen Staatshaushalt ausweiten und das Wachstum abwürgen, befürchten sie. Auch US-Notenbankchef Alan Greenspan hatte die Notwendigkeit eines Konjunkturprogramms angezweifelt.

Mit Hubbards Abgang bleibt von Bushs ursprünglichem Wirtschaftsteam nicht viel übrig. Im Dezember erst hatte Bush seinem Finanzminister Paul O’Neil und dem Leiter des Bundeswirtschaftsrates (National Economic Council), Lawrence Lindsey, den Laufpass gegeben. Im November hatte sich bereits der Chef der amerikanischen Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt, unter Druck verabschiedet. Zum Nachfolger O’Neils ernannte Bush John Snow, den früheren Chef der Güterzuggesellschaft CSX. Der Investmentbanker Stephen Friedman, zuvor Co-Vorsitzender der Wall- Street-Bank Goldman Sachs, löste Wirtschaftsberater Lindsey ab und Pitts Job in der Börsenaufsicht ging an William Donaldson, den früheren Vorstandschef der Versicherungsgesellschaft Aetna Inc.

Wirtschaftsberater Hubbard will nach seinem Rücktritt an die Columbia University zurückkehren. Er hatte seit Mai 2001 den Wirtschaftsberaterstab Bushs geführt. Seinen Abschied, der am Freitag wirksam wird, begründete er damit, dass er seine Familie, die in New York lebt, nur noch an Wochenenden zu sehen bekäme. Bushs Amt hatte bereits im Januar erklärt, dass Hubbard im Laufe des Jahres von seinem Amt zurücktreten wolle, um seine Lehrtätigkeit wieder aufzunehmen.

Der Council of Economic Advisors besteht aus Akademikern, die den Präsidenten bei der Ausarbeitung des Wirtschaftsprogramms unterstützen. Demgegenüber ist der National Economic Council mehr politisch orientiert. Mankiw war bereits in der Administration von Präsident Reagan ein Jahr als Stabsvolkswirt angestellt. Nach Abschluss seines Studiums an der Princeton University promovierte Mankiw am Massachusetts Institute of Technology, wo er für kurze Zeit auch gelehrt hat. Seit 1987 Professor an der Harvard University hat sich Mankiw als Autor der beiden Textbücher „Makroökonomie“ und „Grundzüge der Volkswirtschaftslehre“ profiliert. Seine Bücher wurden in 17 Sprachen übersetzt, darunter auch in deutsch. Für sein zweites Werk zahlte ihm der Verlag einen Vorschuss von 1,4 Millionen Dollar. Mankiw ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Seinen Hund hat er Keynes getauft – nach dem Begründer der nachfrageorientierten Wirtschaftspolitik. Das könnte ein Hinweis auf seinen künftigen Kurs sein.

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