Business Barometer : US-Firmen klagen über Bürokratie

Die amerikanische Handelskammer in Deutschland AmCham befragt ihre Mitglieder alljährlich, welche Erwartungen sie an den Standort Deutschland haben.

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Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes wünscht sich von der deutschen Politik, dass der steuerliche Nachteil, den Elektroautos als Dienstwagen haben, ausgeglichen wird.
Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes wünscht sich von der deutschen Politik, dass der steuerliche Nachteil, den Elektroautos als...Foto: dpa

Deutschland als Wirtschaftsstandort genießt bei amerikanischen Unternehmen einen guten Ruf. Sie schätzen vor allem die qualifizierten Mitarbeiter sowie die wirtschaftliche und politische Stabilität. Allerdings dürfe Deutschland sich auf dem Erreichten nicht ausruhen, sondern müsse Reformen weiter vorantreiben. Das sagte Bernhard Mattes, Vizepräsident der Amerikanischen Handelskammer in Deutschland und Ford- Deutschland-Chef, am Mittwoch bei der Vorstellung des Business Barometers, für das 58 US-Unternehmen befragt wurden. „Die US-Investoren glauben an ein gutes Jahr 2013 und sie richten auch ihre Investitionen danach aus“, sagte Mattes. Doch trotz der optimistischen Grundhaltung drängten die Teilnehmer der Umfrage auf eine weitere Modernisierung des Standorts in den kommenden Jahren.

Die 58 in Deutschland ansässigen US- Unternehmen, die an der Umfrage teilnahmen, erzielen zusammen einen Jahresumsatz von 95 Milliarden Euro und beschäftigen hierzulande mehr als 240 000 Mitarbeiter. Das Jahr 2012 verlief für die US-Unternehmen in punkto Umsatz und Investitionen etwas weniger erfolgreich, etliche Firmen blieben hinter ihren Wachstumsplänen zurück. Waren 81 Prozent der Befragten 2012 von steigenden Umsätzen ausgegangen, ging dies tatsächlich nur in 50 Prozent der Fälle auf. Für 2013 sind die Unternehmen aber wieder positiver gestimmt, sagte Klaus Fuest von der Beratungsfirma Roland Berger, die die Umfrage durchführte. Demnach erwarten 74 Prozent der Befragten eine Umsatzsteigerung, allerdings wollen nur 33 Prozent ihre Investitionen 2013 ausweiten.

Grafik: Anna Schmidt

Mattes nannte einige Punkte, wo Deutschland besser werden könne. So habe etwa das duale Ausbildungssystem Vorbildcharakter, allerdings seien die Ausbildungszeiten oft zu lang. Auch sei Deutschland hoch innovativ. „Aber es muss gelingen, die Innovationen tatsächlich auf die Straße zu bringen“, sagte er. Beispiel Elektromobilität: Hier werde seit langem – ergebnislos – über das Problem diskutiert, dass Elektroautos als Dienstwagen unattraktiv seien, weil sie wegen des höheren Anschaffungspreises höher besteuert würden. „Unsere Bitte ist, diesen Nachteil auszugleichen. Kaufanreize wollen wir gar nicht“, sagte Mattes. Schließlich mahnte er, die Energiewende mit Augenmaß umzusetzen, viele energieintensive Betriebe dächten darüber nach, wegen möglicher Kostensteigerungen weniger oder woanders zu investieren.

Tatsächlich standen in der Umfrage unter den Schwächen des Standorts die steigenden Energiepreise hinter Fachkräftemangel sowie Bürokratie und Überregulierung auf Platz drei. Energiepreise seien zum ersten Mal in der zehnjährigen Geschichte des Business Barometers ein Thema, sagte Berater Fuest. Klassiker wie hohe Lohnkosten und mangelnde Arbeitsmarktflexibilität seien dagegen in den Hintergrund getreten. Auch das Thema gesetzlicher Mindestlohn sei für die US-Firmen kein zentrales, hieß es am Mittwoch, denn sie seien davon meist nicht berührt. Allerdings seien die Firmen überzeugt, dass es so etwas wie ein Mindesteinkommen geben sollte, damit – anders als in den USA – die Einkommensschere sich nicht weiter öffne.

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