Business Clubs in Berlin : For members only

In Berlin ist eine stattliche Anzahl an exklusiven Business Clubs entstanden. Angesichts sehr unterschiedlicher Konzepte ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Claudia Cohnen-Beck
Zwischen Geschäft und Vergnügen. Schon die britischen Gentlemen’s Clubs dienten neben der Kontaktpflege auch dem Zeitvertreib.
Zwischen Geschäft und Vergnügen. Schon die britischen Gentlemen’s Clubs dienten neben der Kontaktpflege auch dem Zeitvertreib.Foto: IMAGO

Das Kaminfeuer prasselt, Zigarren rauchende Geschäftsmänner, tief in die gediegenen Ledersessel versunken, tauschen ihre jüngsten Geschäftserfolge aus – eine Kulisse wie in einem britischen Film. Doch das Klischee ist nicht so weit von der Realität entfernt wie gedacht. Bei einem Besuch der Berliner Business Clubs begegnet man noch häufig der britischen Tradition des Gentlemen's Club – oft angereichert mit kreativen Konzepten oder sportlichen Schwerpunkten.

Überflüssig zu erwähnen, dass die Clubs hierzulande nicht – wie lange in „good old England“ – Männern vorbehalten sind. Ein gutes Drittel der Mitglieder ist in der Regel weiblich. Daher fällt auch eine einheitliche Begriffsfindung schwer, denn Gentlemen's Club kann man sie ja nicht mehr nennen. Doch vom Englischen kommt man nicht los: Als Lifestyle- und Social-Club bezeichnen sie sich. Und ja, natürlich sind sie auch Business Clubs. „Auf der Dachterrasse des Soho House gehen größere Deals über den Tisch als in der Zigarrenlounge des Capital Clubs“, sagt ein Insider der Clubszene.

Zeitvertreib ist so wichtig wie das Networking

Geschäftsleute, Politiker und Medienvertreter treffen in Clubs berufliche Verabredungen und können in Konferenzräumen ungestört Besprechungen abhalten. Genauso gut lassen sich die Räumlichkeiten aber auch für private Feiern nutzen, an der Bar die Whiskys oder im Restaurant die lukullischen Freuden genießen. Der Club dient als sozialer Raum – Zeitvertreib und Rückzug sind genauso wichtig wie das berufliche Netzwerken. „Gerade prominenten Mitgliedern ist eine private Atmosphäre wichtig, in der sie sich ungestört mit Menschen auf Augenhöhe treffen können“, sagt Manfred Gugerel, der Regionaldirektor von 54 Clubs in Europa ist.

Und Berlin wächst – um geschätzt netto 40 000 Menschen pro Jahr: Neben Prominenten zieht es Geschäftsleute, Lobbyisten, Kreative und Start-up-Unternehmer in die Hauptstadt, und nicht selten sind sie Mitglied in gleich mehreren Clubs. Einer von ihnen ist Alexander Reinhardt. Der Airbus-Manager zog vor gut einem Jahr in die Hauptstadt und ist Mitglied in gleich drei Berliner Clubs. „In München war ich bereits gut vernetzt. Hier in Berlin sollen mir die Clubs ermöglichen, meine Kreise beruflich und privat schnell zu erweitern“, berichtet Reinhardt.

Die Zukunft gehört den Kreativen und Start-ups

„Berlin ist ein Cocktail, der sich noch mischt“, beschreibt Alexander Wolf, der Dozent für Networking an der Business School der Credit Suisse ist – und ganz nebenbei auch einen eigenen Club betreibt, den derzeitigen Zustand der Hauptstadt. „Aber es ist ein Mythos zu glauben, dass Berlin wie jede andere Großstadt wird und traditionelle Clubs hier eine Chance haben“. Die Zukunft gehöre den Kreativen und Start-ups. „Aus der etablierten Wirtschaft wird in Berlin nie eine Community.“ Und dennoch waren es erst mal die traditionellen Clubs, die nach dem Mauerfall hier entstanden. Nach der Gründung des International Club Berlin 1994 öffnete 2001 der Berliner Capital Club seine Pforten. Es folgten 2002 der China Club Berlin und mehrere kleine Clubs – jeder mit einem eigenen Konzept. Einige mit Hotelbetrieb, andere mit Sportanlage. Andere wiederum agieren ohne eigene Lokalitäten.

Wolf, der mit Außergewöhnlich Berlin einen Club ohne eigene Räumlichkeiten gegründet hat, ist das zu wenig. „In anderen Städten übernehmen die Clubs auch bürgerschaftliche Verantwortung. Hier kochen sie alle nur in ihrem eigenen Sud.“ Er fordert, dass die Clubs der Stadt etwas zurückgeben müssten und nicht nur ihre Ressourcen ausschöpfen. So ist sein Club Mitinitiator der Berliner Olympiakampagne. Petra Jucho, Geschäftsführerin des International Club Berlin, mag das nicht so stehen lassen. „Wir engagieren uns zwar nicht politisch, aber karitativ. Die Erlöse des Weihnachtsmarkts kommen jedes Jahr einer sozialen Einrichtung zugute.“ Und das Soho House schickt mehrmals im Jahr Kochtrupps in Schulen.

Neu-Berliner haben auch ohne Empfehlung eine Chance

Gemeinsam ist den Clubs, dass sie nur Mitgliedern vorbehalten sind. Exklusivität und Prestige sind ihnen meist ebenso wichtig wie ihren britischen Vorläufern. Und Mitglied zu werden, ist in der Regel nicht einfach – gerade für Neuzugezogene. Denn sie brauchen die Empfehlung eines Mitglieds. Zumindest theoretisch. In der Praxis nehmen es viele Clubs nicht so genau, Neu-Berliner werden oft auch ohne Empfehlung aufgenommen. Alle aber werden vom Vorstand geprüft und zahlen meist eine deftige Aufnahmegebühr. Doch der Aufwand kann sich lohnen, vor allem für diejenigen, die möglichst schnell in Berlin beruflich Fuß fassen müssen.

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