Wirtschaft : Businessplan-Wettbewerb: Die Chefs von morgen

Roland Koch

Die Anspannung der letzten Tage war den Siegern noch anzusehen. Doch inzwischen konnte sich auch wieder ein Lächeln den Weg in ihre Gesichter bahnen. Schließlich stehen die Gewinner der dritten Stufe des diesjährigen Businessplan-Wettbewerbs fest: Es sind die Proteome Factory AG, die Friendship-Systems und die ACTryon Technologies (Artikel rechts). Die Preise gab es gestern für die Geschäftsideen, von denen die Organisatoren des Existenzgründer-Wettbewerbs meinen, dass sie sich in ein profitables Unternehmen wandeln könnten.

Insgesamt 326 Geschäftspläne waren im Rennen. Und in der letzten Wettbewerbs-Runde ging es für die Juroren darum, unter den 127 übrig gebliebenen Beiträgen die drei Sieger auszuwählen. "Die Entscheidung war knapp", sagte Bernd-Peter Morgenroth, Vorstand der Landesbank Berlin. "Aber ich bin sicher, dass wir Teilnehmer ausgewählt haben, die künftig Arbeitsplätze in der Region schaffen werden." Schließlich sei es die Aufgabe des Wettbewerbs - den die Investitionsbank Berlin (IBB) und die Vereinigung der Unternehmerverbände in Berlin und Brandenburg e.V. (uvb) organisieren - zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region Berlin / Brandenburg beizutragen.

Trotz der Flaute am Neuen Markt spielen Existenzgründer in der Wirtschaft Berlins eine wichtige Rolle. Unter anderem schafft jeder Gründer durchschnittlich fünf neue Arbeitsplätze. Und so verstehen sich Wettbewerbe, die Unternehmungswilligen auf die Beine helfen, selbstbewusst als eine Art Wirtschaftsförderung. "Allein aus unserem Wettbewerb sind bisher 267 Unternehmen mit insgesamt 1372 Arbeitsplätzen hervorgegangen", sagt Andreas Bißendorf, der Leiter des Wettbewerbsbüros. "Und weiteres Potenzial gibt es genug." Er meint damit unter anderem die Berliner Hochschullandschaft, die mit drei Universitäten, sieben Fachhochschulen und rund 130 000 Studenten eine ungeheure Ressource an Gründern und Fachkräften bietet.

Innovativ und kundenorientiert

Ziel des Wettbewerbs ist es, innovative Ideen als Produkte oder Dienstleistungen marktfähig zu machen. "Wir wollen Menschen ansprechen, die Ideen haben", sagt Bißendorf. Bevor diese Ideen verstaubten oder lediglich die Patente an große Unternehmen verkauft würden, sollten sie daraufhin untersucht werden, ob sich mit ihnen nicht auch ein neues Unternehmen gründen lasse.

Technische Branchen wie Internet, Kommunikation / Medien und Informationstechnologie hatten die meisten Beiträge zu bieten. Doch nicht die Branche ist entscheidend für die Siegchancen. "In erster Linie geht es um den Innovationsgrad, das heißt um die Frage, ob eine Idee wirklich neu ist", sagt Bißendorf. "Und es geht darum, ob das Produkt oder die Dienstleistung einen echten Kundennutzen hat." Um zu den Gewinnern zu gehören, werden darüber hinaus aber auch andere Kriterien wie die Realisierbarkeit einer Geschäftsidee oder das Wachstumspotenzial bewertet.

Die Teilnehmer des Businessplan-Wettbewerbs bekommen durch zahlreiche begleitende Veranstaltungen das Know-how für eine Firmengründung, und sie können Kontakte knüpfen - zu Mitstreitern oder zum Berliner Gründernetzwerk. "Professionelles Coaching, etwa durch das Technologie Coaching Center (TCC), das über Monate die Gründer betreut, hat uns echte Wettbewerbsvorteile verschafft", sagte Franz Theuring vom Gewinner-Team Proteome.

Allein, seine Idee zu Papier zu bringen, löst manchmal schon ungeheure Aha-Effekte aus, meint Andreas Bißendorf. "Dann sieht man erstmal welche Erträge man erwirtschaften muss, um zum Beispiel die Kosten für Maschinen, Mieten oder Mitarbeiter zu decken." Aber manchmal sehe man auch, dass eine Idee wirtschaftlich keine Chance habe.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis für die Organisatoren ist es, dass die Zahl der Teilnehmer einen neuen Rekord erreicht hat. Im Jahr 2001 haben 127 Existenzgründer in der dritten Stufe Businesspläne eingereicht, im Jahr zuvor waren es noch 92. "Das ist für uns ein deutliches Zeichen dafür, dass es in Berlin ein großes Gründungsinteresse gibt", sagte Morgenroth. "Trotz der Krise am Neuen Markt und der verhaltenen Wirtschaftsdaten, herrscht Aufbruchstimmung."

Sein eigenes Ding zu machen, der eigene Chef zu sein oder einfach nur die Aussicht auf viel Geld zu haben, das sind schon Gründe dafür, über Selbstständigkeit nachzudenken, meint Sven Ripsas, der Geschäftsführer des Existenzgründer-Instituts Berlin. Der Gründer-Verein hat den Wettbewerb 1996 mit ins Leben gerufen. Sehe man die vielen Start-Ups mit jungen Mitarbeitern und manchmal noch jüngeren Chefs, mit flachen Hierarchien und unkonventionellen Arbeitsweisen, scheine sich auch das Bild des Unternehmers gewandelt zu haben - nicht mehr der Zigarre rauchende Erhard der Wirtschaftswunderzeit symbolisiere ihn, sondern der T-shirt tragende Internet-Freak, der ohne Team kaum vorstellbar ist. "Gerade in den schnell wachsenden High-Tech-Branchen haben Einzelkämpfer keine Chance. Hier müssen Kompetenzen zusammengetragen werden."

Die Erfahrungen der vergangenen sechs Jahre hätten auch gezeigt, dass die jungen Unternehmen oft zu wenig Professionalität im Management-Bereich hatten. "Einige Teilnehmer konnten zwar mit einer brillanten Präsentation vor den Juroren glänzen, in der Praxis ist dann aber die mangelnde Erfahrung zu Buche geschlagen", sagt Ripsas. "Dennoch darf man nicht unterschätzen, wie sehr der Wettbewerb zur Qualifikation der Gründer beiträgt."

Ein anderes Merkmal des Wettbewerbs und der Gründerszene in Deutschland besteht darin, dass wenig Frauen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Ihr Anteil liegt bei 30 Prozent. Auch unter den gestrigen Siegern war keine Teilnehmerin zu finden. Aber vielleicht bewegen Wettbewerbe auch in dieser Hinsicht etwas. Einzige Voraussetzung ist es, wie gesagt, eine schlagkräftige Idee mitzubringen.

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