Busse statt ICE : Bahn könnte Fernverkehr einschränken

Um die Bahn gegen Konkurrenz zu schützen, sind Fernbussen in Deutschland seit Jahrzehnten enge Grenzen gesetzt. Das soll sich im kommenden Jahr ändern. Die Bahn ist davon gar nicht begeistert - und droht der Regierung.

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Die Bahn droht damit, bestimmte Strecken im Fernverkehr nur noch mit Bussen zu bedienen.
Die Bahn droht damit, bestimmte Strecken im Fernverkehr nur noch mit Bussen zu bedienen.Foto: dpa

Die Deutsche Bahn droht damit, ihr Angebot im Fernverkehr einzuschränken, sollte die Bundesregierung den Fernverkehr mit Bussen liberalisieren. Es sei fraglich, ob in diesem Fall weniger rentable Verbindungen zu Städten am Rand der Republik weiter mit dem ICE bedient würden, sagte ein hochrangiger Konzernmanager am Dienstag in Berlin. Stattdessen werde die Bahn überlegen, auf diesen Strecken ihrerseits Busse einzusetzen.

„Wirtschaftlicher Fernverkehr mit Zügen kann bedroht sein, wenn wir Busverkehr machen“, hieß es im Bahn-Tower. „Die Politik muss sich überlegen, ob sie das will oder nicht.“ Busse seien mit niedrigen Kosten zu betreiben, von ihnen würde ein hoher Wettbewerbsdruck ausgehen. „Wir sind der größte Busbetreiber im Land und werden unseren Konzern entsprechend ausrichten“, hieß es weiter.

Hintergrund ist der Plan der Regierung, im Laufe von 2011 Fernverkehr mit Bussen zu erlauben. Das Verkehrsministerium arbeitet an einem solchen Gesetz. In den dreißiger Jahren wurden Fernbusse verboten, um die Bahn zu schützen. Später wurden nur Strecken aus der Bundesrepublik nach West-Berlin freigegeben, diese Regelung gilt bis auf Ausnahmen bis heute. Bei einer Freigabe dürften innerdeutsche Reisen billiger werden. Die Regierung hofft zudem auf Busverbindungen auf Strecken, die die Bahn nicht mehr bedient. Bislang ist geplant, dass Fernbusse keine Lkw-Maut zahlen müssen. Hier sieht sich die Bahn im Nachteil – denn Züge müssen für jede Fahrt eine Trassengebühr zahlen. Eine Sprecherin des Verkehrsministeriums wollte auf Anfrage das Thema nicht kommentieren.

Ohnehin musste die Bahn im Wettbewerb mit Schiff, Auto und Flugzeug 2009 einen Rückschlag hinnehmen. Im Güterverkehr sank der Marktanteil aller Schienen-Anbieter erstmals seit 2005 wieder – von 17,3 auf nun 16,3 Prozent. Dies geht aus dem neuen Wettbewerbsbericht der Bahn hervor, den Konzernchef Rüdiger Grube am Dienstagabend vorstellte. Nutznießer der Eisenbahnschwäche war der Straßentransport, dessen Marktanteil von 70,7 auf 71,9 Prozent zulegte. Rückgänge im Güterverkehr sind problematisch, weil hier für die kommenden Jahre ein starkes Wachstum vorhergesagt wird – zusätzlicher Lkw-Verkehr würde aber dem Klima schaden und mehr Staus verursachen. Wegen des Produktionseinbruchs ging 2009 bei allen Verkehrsträgern das Warenaufkommen zurück – jedoch unterschiedlich stark.

Zugleich gewannen private Wettbewerber an Boden. Ihr Marktanteil stieg im Güterbereich weiter auf nun 24,6 Prozent. Dies wird nach Einschätzung des Staatskonzerns aber nicht so bleiben. „In diesem Jahr werden wir stärker zulegen als die Konkurrenten“, sagte ein Bahn-Manager. Grund: Die Nachfrage nach Stahl hat wieder angezogen – und mit ihr die Transportmengen. In diesem Bereich ist die Bahn der wichtigste Anbieter.

Dagegen steht der Konzern im Verkehr mit Regionalzügen unter Druck. Diese fahren nicht wie die ICEs auf Bahn-Risiko, sondern werden von den Ländern bestellt und bezahlt. Private kommen derzeit auf einen Marktanteil von 20,3 Prozent – mit steigender Tendenz: Nur 28 Prozent des Auftragsvolumens, das die Länder in diesem Jahr bislang vergeben haben, konnte die Bahn für sich verbuchen. Sie strebt aber eine Größenordnung von annähernd 80 Prozent an.

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