Wirtschaft : Call-by-Call im Ortsnetz startet mit Kampfpreisen Experten schätzen die Risiken

für die Deutsche Telekom gering ein

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Düsseldorf (slo/HB). Das Image des billigen Jakob hat Roman Schwarz bisher anderen überlassen. Doch das will der DeutschlandChef der schwedischen Telefongesellschaft Tele2 spätestens ab kommenden Freitag ändern. Dann fällt der Startschuss für Telefongespräche im Ortsnetz über eigene Vorwahlnummern (Call-by-Call). Einen Ortstarif von 1,5 Cent die Minute kündigt Schwarz an. „Wenn die Preise der Konkurrenten tiefer liegen, werden wir eben noch weiter runter gehen“, sagt Schwarz.

Damit zeichnet sich zumindest in der Startphase ein Preiskampf ab, denn auch Konkurrenten wie Arcor, 01051 Telecom und 01058 Telecom wollen ganz vorne mitmischen beim Sturm auf das Ortsnetz – die letzte Bastion der Deutschen Telekom mit einem Marktanteil von 96 Prozent, gemessen an den Verbindungsminuten. Lokale Gespräche kosten bei der Telekom – je nach Tageszeit – zwischen 1,6 und sechs Cent die Minute.

Auf einen Preis für Call-by-Call im Ortsnetz wollen sich die anderen Anbieter noch nicht festlegen. Nur soviel sagt Thomas Rühmer, Geschäftsführer von 01051 Telecom: Die Gebühren für Ortsgespräche würden „deutlicher niedriger“ ausfallen als 3,6 Cent pro Minute, die 01051-Kunden bisher bei Ferngesprächen zahlen.

Experten gehen davon aus, dass sich Tele2 und andere Firmen Kampfpreise von 1,5 Cent die Minute bei Ortsgesprächen nicht auf Dauer werden leisten können. Die Ortstarife würden nach einer turbulenten Startphase wieder anziehen. Denn die Gebühren, die die Call-by-Call-Anbieter an die Telekom für die Mitnutzung ihrer Ortsnetz-Leitungen zahlen, werden voraussichtlich steigen. Bei diesen Tarifen hat die Telekom ab 1. Juli einen Aufschlag von 0,3 Cent pro Minute bei der Regulierungsbehörde beantragt. Die Entscheidung fällt Ende April. Doch aus informierten Kreisen verlautete bereits: Die Telekom hätte sehr gute Chancen, mit ihrem Antrag auf höhere Gebühren durchzukommen.

Call-by-Call im Ortsnetz werde wohl keine schmerzhaften Konsequenzen für die Telekom haben, sagt Roman Friedrich, Telekomexperte bei der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton. Und auch Analysten von Banken gehen bisher von eher geringen Umsatzeinbußen aus: rund 350 Millionen Euro in diesem Jahr. Insgesamt setzte die Telekom im Festnetzgeschäft mehr als 30 Milliarden Euro in 2002 um.

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