Wirtschaft : Call-by-Call: Kommentar: Im Ortsnetz kein Wettbewerbsmotor

Corinna Visser

Call-by-Call, die fallweise Auswahl eines Telefonanbieters, hat den deutschen Telekommunikationsmarkt erst richtig in Schwung gebracht. Nach der Liberalisierung des Marktes im Jahr 1998 tauchten unzählige Anbieter auf, die Ferngespräche für einen Bruchteil des Preises anboten, den die Telekom damals verlangte. Seither sind die Preise teilweise um bis zu 90 Prozent gefallen.

Ganz anders im Ortsnetz. Hier war Call-by-Call zunächst nicht vorgesehen. Bis heute gibt es hier keinen nennenswerten Wettbewerb. Gerade einmal drei Prozent des Marktes konnten die Konkurrenten der Telekom abringen. Um den Wettbewerb endlich in Gang zu bringen, machte die EU-Kommission Druck. Jetzt hat die Bundesregierung reagiert: Zum 1. Dezember soll Call-by-Call auch im Ortsnetz eingeführt werden.

Doch es ist keineswegs sicher, ob sich die Erfolgsgeschichte wiederholen lässt. Um Call-by-Call attraktiv zu machen, müssen die Preise deutlich unter denen liegen, die die Telekom verlangt. Zum 1. Mai hat die Telekom bereits eine Preissenkung für Ortsgespräche angekündigt. Das macht es für alternative Anbieter nicht leichter. Auch die neuen Ortsnetzbetreiber wehren sich gegen die Call-by-Call-Konkurrenten. Sie haben viel in eigene Technik investiert und zahlen hohe Mieten an die Telekom, um komplette Anschlüsse anbieten zu können. Sie haben bereits heute Schwierigkeiten, konkurrenzfähige Angebote zu machen. Die Call-by-Call-Konkurrenten könnten die Position der Ortsetzanbieter weiter schwächen und damit die Stellung der Telekom wieder stärken. Mehr Wettbewerb und damit mehr Anbieter und sinkende Preise wird es im Ortsnetz nur geben, wenn die Regulierungsbehörde für den Teilnehmeranschluss einen deutlich niedrigeren Mietpreis festlegt.

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