Wirtschaft : Call-Center schafft 450 Stellen im Raum Berlin

SNT, die Nummer zwei der Branche, stockt auf

Anselm Waldermann

Berlin - Der Call-Center-Dienstleister SNT will in Berlin und Potsdam insgesamt 450 neue Arbeitsplätze schaffen. Das sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Harry Wassermann, dem Tagesspiegel. Bis Ende des Jahres sollen in der Potsdamer Niederlassung 1600 statt bisher 1200 Mitarbeiter tätig sein, in Berlin soll die Zahl der Beschäftigten von 300 auf 350 steigen.

SNT ist eine 100-prozentige Tochter des niederländischen Telekommunikationskonzerns KPN und der zweitgrößte Anbieter von Call-Center-Dienstleistungen in Deutschland. Die Nummer eins ist die Bertelsmann-Tochter Arvato. SNT befindet sich derzeit in einer Umstrukturierungsphase. Vorstandschef Wassermann möchte sich von vier westdeutschen Standorten – Pforzheim, Limburg, Dietzenbach und Köln – trennen. Im Gegenzug baut er andere Standorte, vor allem in Ostdeutschland, aus. Neben Berlin und Potsdam profitieren davon auch Greifswald und Neubrandenburg.

„Ost-Standorte haben den Vorteil, dass es immer noch ein Gehaltsgefälle zum Westen gibt“, sagte Wassermann. In Potsdam verdient eine Vollzeitkraft im Call-Center bei 40 Stunden pro Woche 1200 bis 1400 Euro brutto. „Im Westen ist es teilweise deutlich mehr.“

Die Gewerkschaften haben die Call- Center-Branche oft scharf kritisiert. Sie bemängeln immer wieder schlechte Arbeitsbedingungen und niedrige Bezahlung. Außerdem beschäftige die Branche vor allem Aushilfskräfte. Diese Kritik wies Wassermann zurück. „Natürlich gibt es schwarze Schafe“, sagte er. Für SNT träfen die Vorwürfe jedoch nicht zu. So stelle das Unternehmen kaum Aushilfskräfte ein, der Großteil der Beschäftigten sei vielmehr hauptberuflich tätig. „Das ist kein Job sondern ein Beruf“, sagte Wassermann. Die Zufriedenheit der Mitarbeiter zeige sich in der niedrigen Fluktuation von 4,5 Prozent im Jahr.

Vor Arbeitsbeginn durchlaufen die Beschäftigten bei SNT zunächst ein vier- bis sechswöchiges Fachtraining; auch später kommen jede Woche drei Stunden Fortbildung hinzu. An der dafür zuständigen SNT-Akademie arbeiten Wassermann zufolge 70 Trainer.

Für die neuen Stellen in Berlin und Potsdam sucht SNT Bewerber mit einer abgeschlossenen kaufmännischen Ausbildung. „Außerdem sollten sie einen PC bedienen können“, sagte Wassermann. Daneben müssen Interessenten über eine hohe Kommunikationskompetenz verfügen – sowohl mündlich als auch schriftlich. Denn neben dem Telefonieren kümmert sich SNT um alle weiteren Arten von Verbraucherkontakt wie E-Mail und Brief.

Hauptkunden von SNT in der Region sind das Mobilfunkunternehmen E-Plus und der Klingeltonanbieter Jamba. Für Jamba ist SNT weltweit in 27 Sprachen tätig. „Das ist ein Vorteil an Berlin“, erklärt Wassermann. „Die Stadt ist so international, dass wir aus fast jedem Kulturkreis Mitarbeiter finden.“

Der deutschlandweite Umsatz von SNT belief sich im vergangenen Jahr auf 157 Millionen Euro. „2006 werden es mehr als 160 Millionen sein“, kündigte Wassermann an.

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