Wirtschaft : Camdessus räumt Fehler des IWF ein

HAMBURG/PARIS (rtr).Der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Michel Camdessus, hat Fehler seiner Organisation bei der Bekämpfung der jüngsten Finanzkrisen eingeräumt.Der Fonds habe sich beispielsweise zu wenig um die Kontrolle der Banken gekümmert, sagte Camdessus in einem am Mittwoch vorab veröffentlichten Interview der Wochenzeitung "Die Zeit".Mit einer besseren Überwachung hätte die Krise seiner Ansicht nach verhindert werden können.Für die Weltwirtschaft sagte Camdessus trotz der jüngsten Probleme weiteres Wachstum voraus.In Südostasien sei das Schlimmste bereits überwunden und ein Übergreifen der Krise auf Lateinamerika sei nicht zu befürchten.

Ein Fehler des IWF sei es gewesen, daß er nicht früh genug um die Überwachung des Finanz- und Bankensektors in den Krisenländern gekämpft habe, sagte Camdessus weiter.Zudem habe der Fonds versäumt, sich rechtzeitig um Informationen über den kurzfristigen Kapitalverkehr zu kümmern."Unsere Mitgliedsstaaten waren vor der Krise einfach nicht mit der richtigen Informationsmaschinerie ausgestattet." Die Behörden der Krisenländer hätten die notwendigen Daten entweder nicht gehabt, oder sie nicht herausgeben wollen.

Für die Weltwirtschaft sagte Camdessus im französischen Rundfunk trotz der Krisen ein Wachstum von zwei Prozent im laufenden Jahr voraus.1999 könne die Rate sogar etwas besser ausfallen.Wichtige Impulse müßten allerdings von den beiden stärksten Wirtschaften der Welt, den USA und Europa, kommen.In Europa sei im Jahr 1998 mit einem Wachstum um zwei bis drei Prozent zu rechnen.

Der schlimmste Teil der Asienkrise sei nun überwunden, sagte Camdessus weiter.Zwar werde 1998 für Japan noch ein "Katastrophenjahr" mit einer Schrumpfung der Wirtschaft um 2,5 Prozent.Im zweiten Halbjahr 1999 sei aber mit einer Erholung zu rechnen.Andere Krisenländer Südostasiens wie Tailand, Malaysia, Indonesien und Südkorea hätten mit Reformen bereits die Grundlagen für eine Besserung gelegt und könnten im Jahr 2000 oder 2001 wieder wachsen.

Ein Übergreifen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf Lateinamerika ist nach Ansicht von Camdessus nicht zu befürchten.Die Länder gingen den richtigen Weg.Es sei gut, daß bisher keines von ihnen zu protektionistischen Maßnahmen gegriffen habe.Falls nötig, würde der IWF diesen Staaten zusätzliche Finanzhilfen geben.Voraussetzung für weitere Hilfen an Rußland sei dagegen, daß das Land einen glaubhaften Reformplan vorlege.Der Rubel müsse wieder gefestigt und ein Haushalt auf stabilen Grundlagen aufgestellt werden.Zudem müsse das Land seine Gläubiger in einer "zivilisierten Weise" behandeln und mögliche Umschuldungen mit ihnen vereinbaren.

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