Campingurlaub : Dem Regen trotzen

Den Campingurlaub können Regentage ordentlich vermasseln. Platzwirte sind deswegen kreativ geworden – mit Saunen und Übernachtungsfässern.

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Die vielen nassen Tage in diesem Sommer haben das Geschäft laut dem Verband der Campingwirtschaft etwas beeinträchtigt.
Die vielen nassen Tage in diesem Sommer haben das Geschäft laut dem Verband der Campingwirtschaft etwas beeinträchtigt.Foto: Jens Büttner/dpa

Seit 26 Jahren betreibt Rainer Frank den Campingplatz am Freesenbruch, sechs Hektar für 360 Zelte, Wohnwagen und Wohnmobile am Rand des Seebades Zingst auf der Ostseehalbinsel Darß. Wenn Frank an den allmählich zu Ende gehenden Sommer denkt, bleibt ihm das in Erinnerung: „Verregnete Sommer sind offenbar nicht gut für die Gesundheit älterer Leute“. Jedenfalls hätten deutlich mehr Kunden als sonst behauptet, dem Opa zu Hause gehe es nicht gut. Und deshalb, leider, leider, müssten sie ihren längst gebuchten Campingurlaub stornieren. Man habe sicher Verständnis.

Die Beobachtung, die Rainer Frank machen musste, deckt sich mit den ersten Auswertungen der aktuellen Besucherstatistik auf deutschen Campingplätzen: Überdurchschnittlich viele Regenfälle im Juni, Juli und teilweise auch noch im August haben die Belegungszahlen beeinträchtigt, bestätigt Gunter Riechey, Präsident des Branchenverbandes BVCD. Genaue Angaben werde man frühestens auf dem Düsseldorfer Caravansalon machen können, der größten internationalen Camping-Messe, die derzeit läuft.

30 Millionen Übernachtungen

Grund zur Klage sehen die Campingplatzwirte aber nicht. Im Gegenteil. Wurden 1998 etwas mehr als 19 Millionen Übernachtungen auf deutschen Campingplätzen gezählt, kam man 2016 auf über 30 Millionen.

Auf der Anlage am Freesenbruch unternehmen sie allerdings auch viel, damit die Kundschaft mal drei Regentage hintereinander durchhält. Es gibt das Wellnesszentrum mit Sauna, Kosmetikangeboten und Wohlfühlmassagen, dazu den Sportraum mit allerlei Gerätschaften. Acht Jahre hat es gedauert, bis diese Investition aus den roten Zahlen kam, inzwischen rechnet es sich. Ungewöhnlich ist das Angebot nicht. Die Camping-Konkurrenz auf der anderen Seite von Zingst unterhält sogar ein eigenes Hallenbad für schlechte Tage.

Frank hat auch schon an Mobilheime gedacht, feste Unterkünfte, die geeignet sind, seine Klientel vor schlechtem Wetter zu schützen. Auf französischen und italienischen Campingplätzen ist so etwas längst Standard. Frank hat die Idee nach kurzer Prüfung verworfen. „Um Himmels willen“, hätten seine Kunden gesagt, „fangen Sie jetzt auch damit an?“ Denn der Camper will weiter seine Illusion nähren, irgendwie der freien Wildbahn verbunden zu sein. Wenn auch mit aller Bequemlichkeit, die bei dieser Art des Reisens möglich ist.

Zeltcamper sind in der Minderheit

So sind heute selbst in den Sommermonaten Camper, die mit dem Zelt anreisen, in der Minderheit. Die Mehrheit kommt mit schwerem Gerät. Zu den aktuell beliebtesten Ausstattungsmerkmalen beim Reisemobil-Marktführer Hymer gehören übrigens die Fußboden- und Warmwasserheizung.

Wohnwagen und Wohnmobile verzeichnen seit Jahren steigende Zulassungszahlen, vor allem im teureren Segment. Noch nie wurden in Deutschland so viele neue Wohnmobile verkauft wie im vergangenen Jahr: rund 35 000 Stück. Gesellschaftsfähig sind sie schon längst. So erregt Startenor Klaus Florian Vogt kein Aufsehen mehr, wenn er zu seinen Engagements in Berlin, Paris oder Mailand im Wohnmobil kommt. Der britische Vorzeigekoch Jamie Oliver urlaubt nicht nur so, er hat auch eine Camping-Kochshow produziert. Der anhaltende Boom hat auch das Gebrauchtwagengeschäft erreicht. Hymer spricht auf Anfrage von einem „verknappten Angebot“, Händler rechnen mit Wartezeiten für das Wunschfahrzeug von einem halben Jahr und mehr.

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