Wirtschaft : Cargolifter kann Mai-Gehälter nicht zahlen

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Berlin (fo). Der Luftschiffbauer Cargolifter steht kurz vor einem Insolvenzantrag. Die Maigehälter der etwa 500 Beschäftigten können nicht mehr gezahlt werden. Das Unternehmen bestätigte dem Tagesspiegel, dass Löhne und Gehälter noch nicht überwiesen seien. Das bedeutet: Cargolifter hat nicht einmal mehr 2,5 Millionen Euro in der Kasse. Diesen Betrag plus eine weitere Million Euro für laufende Kosten hatte Cargolifter-Chef Carl von Gablenz erst kürzlich als Mindestliquidität pro Monat zum Überleben genannt. Ein Insolvenzantrag müsste demnach in den nächsten Tagen gestellt werden.

Unterdessen ist das Management fieberhaft darum bemüht, kurzfristig Geld aufzutreiben. Auch richtete ein Kreis von 120 Aktionären ein Treuhandkonto zur Realisierung des Projekts ein. Ernsthafte Chancen werden diesem Rettungsversuch allerdings nicht eingeräumt.

Hintergrund der akuten Finanzkrise ist, dass Cargolifter für sein ehrgeiziges Projekt eines Super-Luftschiffs zur Zeit kein privates Kapital mobilisieren kann. Seit Gründung 1996 hatte es von Gablenz immerhin geschafft, rund 300 Millionen Euro bei seinen Aktionären einzusammeln. Mehrere Versuche seit Herbst vergangenen Jahres durch Ausgabe neuer Aktien oder die Platzierung von Unternehmensanleihen weitere Mittel zu akquirieren, waren nicht sehr erfolgreich. Als eine 50-Millionen-Euro-Anleihe Anfang Mai dann nur noch mit 4,8 Millionen Euro gezeichnet wurde, rückte die Illiquidität in greifbare Nähe.

Hinzu kam die Absage des Landes Brandenburg, dem Unternehmen mit einem 50-Millionen-Euro-Darlehen über die Runden zu helfen. Das Land sah sich angesichts leerer Kassen nicht in der Lage, einen Kredit zu gewähren. Cargolifter hatte die Mittel als so genannte Überbrückung beim Land beantragt, nachdem Firmenchef von Gablenz klar geworden war, dass der Bund wohl kaum innerhalb weniger Monate über eine Förderung im Umfang von 300 Millionen Euro entscheiden würde. Im Januar hatte von Gablenz erstmals öffentliche Fördergelder in dieser Größenordnung beansprucht. Dabei verwies er auf andere Luft- und Raumfahrtprojekte in Deutschland, die ebenfalls staatliche Darlehen bekommen hätten. Klar war allerdings immer: Fördergelder können frühestens im Jahr 2003 fließen. Innerhalb des Ministeriums gibt es sehr unterschiedliche Beurteilung zur Förderwürdigkeit des Cargolifter-Projekts.

Die Potsdamer Regierung zog sich immer auf die Erklärung zurück, so lange nicht reagieren zu können, bis der Bund einen positiven Förderbescheid ausgestellt habe. So wurde der Ball zwischen den Ministerien in Berlin und Potsdam hin- und hergespielt und bei Firmenchef von Gablenz die Hoffnung genährt, es könne noch kurzfristig Geld fließen. Bei Cargolifter hieß es am Montag stereotyp, man sei in intensiven Gesprächen mit dem Land Brandenburg. Nähere Angaben wollte eine Firmensprecherin nicht machen. Unklar ist daher, ob von Gablenz jetzt möglicherweise eine Bank gefunden hat, um eine schon seit 1999 bestehende Bürgschaft über 35 Millionen Euro endlich zu aktivieren. Bislang scheiterten alle Versuche daran, dass keine Bank bereit war, die restlichen 20 Prozent Risiko für einen 50-Millionen-Euro-Kredit zu übernehmen.

Das hat den Vorteil, dass Cargolifter heute praktisch ohne Schulden dasteht. Die Verbindlichkeiten belaufen sich auf gerade mal 16 Millionen Euro, davon 3,6 Millionen bei Banken. Da das Unternehmen keinen Umsatz macht - die Luftschiffe sind ja noch in der Entwicklung -, lebt Cargolifter fast ausschließlich vom Verbrauch der Gelder seiner inzwischen 72 000 Aktionäre.

Wegen der massiven Finanzprobleme hatte von Gablenz vorletzten Freitag die Notbremse gezogen. Sein wichtigstes Projekt, ein Luftschiff mit 160 Tonnen Tragfähigkeit, wurde ad acta gelegt. Dieser CL 160 sollte 2005/2006 erstmals abheben und hätte noch mindestens 420 Millionen Euro Kapital benötigt. Stattdessen will von Gablenz vorerst nur Transport-Ballons mit 75 Tonnen Tragkraft bauen. Allerdings hat das Unternehmen bislang nur einen einzigen Ballon verkauft – und das an eine kanadische Gesellschaft, an der Cargolifter selbst mit 20 Prozent beteiligt ist. Ziel dieser neuen Strategie sollte es sein, möglichst schnell Geld zu verdienen und den Gesamtinvestitionsbedarf auf vorerst 70 Millionen Euro bis August 2003 zu begrenzen.

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