Wirtschaft : Cargolifter: Logistik-Unternehmen braucht weitere 400 Millionen Mark

Der Transport-Luftschiff-Bauer Cargolifter will nach dem Börsengang im vergangenen Mai weiteres Geld über eine Anleihe im laufenden und eine Kapitalerhöhung im kommenden Jahr aufnehmen. Mit beiden Schritten sollen 400 Millionen Mark für die Entwicklung und den Bau von Luftschiffen zum Transport von großen und schweren Gütern frei werden. Die Gesamtkosten für die Entwicklung von Luftschiffen bis zur Serienreife werden von dem Unternehmen mit einer Milliarde Mark angegeben. Das Logistik-Unternehmen hat derzeit 380 Mitarbeiter.

Vorstandschef Carl von Gablenz sagte am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Berlin, "im Prinzip reichen die liquiden Mittel noch für ein gutes Jahr". Nach Angaben des Vorstandes verfügte das Unternehmen zum Bilanzstichtag 31. August 2000 über liquide Mittel in Höhe von 123,6 Millionen Euro. Auf die Frage nach den kumulierten Verlusten bis zum Start der Serienproduktion von Transportluftschiffen im Geschäftsjahr 2004/2005 wollte das Unternehmen keine genauen Zahlen nennen. Ein Bilanzgewinn sei erst "einige Jahre" nach Erreichen der Gewinnschwelle im Geschäftsjahr 2004/2005 zu erwarten, sagte Gablenz.

Mit der Platzierung von 6,4 Millionen Aktien im Handel der Frankfurter Börse sind der Firma nach Unternehmensangaben insgesamt rund 97 Millionen Euro (rund 190 Millionen Mark) zugeflossen. Die Zahl der Aktionäre sei durch den Börsengang von 16 000 auf 47 000 zum Ende des Berichtzeitraumes gestiegen und liege inzwischen bei knapp 62 000 Aktionären.

"Die ausschlaggebende Kennzahl ist die vorhandene Liquidität", erklärte der kaufmännische Leiter der Cargolifter AG, Norbert Meinl. Die Frage nach Verlusten in den nächsten Jahren sei schwer zu beantworten, weil der "Verkauf von Luftschiffen geplant" sei, ergänzte Cargolifter Vorstand Karl Bangert. Doch müssten diese zunächst entwickelt und gebaut werden. "Die erste Aufgabe ist die Cargolifter-System und -Marktentwicklung - dann sind wir natürlich auch offen für Partnerschaften", so Gablenz.

Bei einer Konzernbilanzsumme von 203,9 Millionen Euro (Vorjahr 74,9) wies der Konzern nach amerikanischer Rechnungslegung einen Verlust von 67,9 Millionen Euro (Vorjahr 29,9) aus. Bangert erklärte, nach dieser Rechnungslegung würden alle Kosten der Entwicklung und Herstellung des Transport-Luftschiffs als Aufwand ausgewiesen und ein Großteil der Bauinvestitionen in die Werfthalle als Forschungs- und Entwicklungsaufwand und nicht als Anlagevermögen verbucht.

"Es ist ja im Moment so, dass jede Ausgabe, die wir tätigen, zu einem Verlust führt", sagte Gablenz. Die Umstellung auf die amerikanische Rechnungslegung US-GAAP sei optisch zwar von Nachteil, "aber wenn wir in die Produktion gehen, sind wir auf dem Nullpunkt - im positiven Sinne". Das erste Luftschiff soll 2003 die Werfthalle auf dem ehemaligen Militärflughafen Brand, 60 Kilometer südlich von Berlin, verlassen.

Nach Angaben des Vorstands bescheinigt eine kürzlich durchgeführte internationale Marktstudie dem Unternehmen bei einem ermittelten weltweiten Marktvolumen von 30 Millionen Tonnen Groß- und Schwerlastfracht pro Jahr ein Marktpotenzial von drei Millionen Tonnen. Das entspreche einem Bedarf von rund 200 Transport-Luftschiffen. Die Cargolifter AG setzt auf einen regionalen Netzwerkaufbau ihrer Logistik. Über fünfzig Prozent der schweren Güter würden laut Marktstudie in den Grenzen Europas bewegt. Von Einsätzen in regionalen Märkten versprechen sich die Luftschiffbauer eine höhere Flexibilität und höhere Auslastung. Nach Angaben der Cargolifter AG wurden bis zum 31. August 28 Vorverträge mit potenziellen "Schlüssel"-Kunden aus den Bau- sowie Logistikbranchen und mit Anlagenbauern abgeschlossen.

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