Wirtschaft : Carlos Slim funkt dazwischen

Der Mexikaner will den E-Plus-Verkauf verhindern. Die O2-Mutter Telefónica ist sein größter Rivale.

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Familie. Der Investor will über den Mutterkonzern die Tochter an sich binden. Foto: dpa
Familie. Der Investor will über den Mutterkonzern die Tochter an sich binden. Foto: dpaFoto: picture alliance / dpa

Berlin - Carlos Slim macht ernst. Mehr als sieben Milliarden Euro will der mexikanische Unternehmer ausgeben, um den Verkauf von E-Plus an Telefónica zu verhindern. So viel bietet América Móvil, Slims Telekommunikationsunternehmen und nach eigenen Angaben Marktführer in Südamerika, für die vollständige Übernahme der niederländischen E-Plus-Mutter KPN. Der Grund für die Offerte liegt im deutschen Mobilfunkmarkt. Medienberichten zufolge sind Slim die gut acht Milliarden Euro, die Telefónica mit ihrer deutschen Marke O2 für E-Plus bietet, zu wenig.

Um mehr Entscheidungsgewalt bei KPN zu erlangen, muss América Móvil den derzeitigen Anteil von knapp 30 Prozent aufstocken. Mit der nun angestrebten Übernahme wäre dieses Kriterium erfüllt. Die Unternehmensspitze von KPN, der Slim bereits 2012 einen Strich durch den E-Plus-Verkauf gemacht hatte, reagierte reserviert auf das Angebot aus Südamerika. Das Management werde die Offerte im Interesse der Anteilseigner „sorgfältig prüfen“ und „alle strategischen Optionen“ erwägen, hieß es am Freitag vom KPN-Vorstand und Verwaltungsrat. Eine Entscheidung wollen sie bis zu einer außerordentlichen Hauptversammlung treffen. Je Anteilsschein bietet América Móvil den Aktionären 2,40 Euro. Das ist ein Aufschlag von 35 Prozent auf den Durchschnittspreis der vergangenen 30 Tage. Einen Termin für die Hauptversammlung nannte KPN nicht. Die Rede ist von einem Zeithorizont von einigen Wochen.

Mindestens bis dahin dürfte also auch die größte Veränderung auf dem deutschen Mobilfunkmarkt auf der Kippe stehen. Ende Juli hatten KPN und Telefónica verkündet, das die Spanier künftig neben O2 auch E-Plus betreiben wollen. KPN erhält im Gegenzug eine Beteiligung. Dadurch würde die Zahl der Netzbetreiber in Deutschland von vier auf drei schrumpfen. Zudem würde Telefónica mit dann 43 Millionen Kunden von der Nummer drei zur Nummer eins in Deutschland werden – vor der Telekom und Vodafone. Bislang ist aber nicht klar, ob das Geschäft tatsächlich zustande kommt, weil die Wettbewerbshüter noch keine Entscheidung getroffen haben. Das Bundeskartellamt hat eine „sehr sorgfältige Prüfung“ angekündigt. Und die Bundesnetzagentur bestätigte zwischenzeitlich, dass O2 und E-Plus unter bestimmten Umständen einen Teil ihrer Frequenzen abgeben müssten, damit es kein Ungleichgewicht im deutschen Markt gebe.

Branchenexperten sind überzeugt, dass eine gelungene KPN-Übernahme durch América Móvil das Geschäft nicht wahrscheinlicher werden lässt. Es gebe nun ein signifikantes Risiko, dass der Verkauf blockiert werde, sagte Analyst Will Draper von der Bank Espirito Santo.

In Südamerika sind América Móvil und Telefónica erbitterte Konkurrenten. Slims Unternehmen hat nach eigenen Angaben 226 Millionen Kunden, Telefónica ist mit 316 Millionen Kunden – davon viele in Lateinamerika – einer der größten Telekommunikationskonzerne der Welt. „Die Rivalität zwischen Carlos Slim und Telefónica ist altbekannt“, sagt Roman Friedrich von der Beratungsfirma Booz. Die habe es auch schon 2012 gegeben, als Slim bei KPN einstieg. Doch: „Aus der vollständigen Übernahme zu schließen, Slim wolle Telefónica eins auswischen, halte ich für falsch.“

In der Tat gibt es ausreichend Gründe, die aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht sinnvoll erscheinen. E-Plus habe KPN bisher sehr guten Profit geliefert, sagt Telekommunikationsexperte Friedrich. Zudem ist der deutsche Markt in Europa von strategischer Bedeutung. „Aus unternehmerischer Sicht erscheint es daher sinnvoll, weder auf den Gewinn noch auf den Einfluss aus einem wichtigen Markt verzichten zu wollen.“

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