Wirtschaft : Carlsberg kauft Holsten

Dänen wollen den Hamburger Bierkonzern zerschlagen/Deutsche Brauer rechnen mit weiteren Übernahmen

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Berlin (hop). Ein weiterer deutscher Großbrauer geht in ausländischen Besitz über. Der dänische Bierkonzern Carlsberg teilte am Dienstag mit, dass er die Holsten Gruppe, den zweitgrößten deutschen Brauer, für insgesamt 1,065 Milliarden Euro übernehmen will. Die Aktienmehrheit von 51 Prozent habe sich der Konzern bereits vertraglich gesichert. Den freien Aktionären werde ein Angebot von 38 Euro je Aktie gemacht. Zwei Marken aus dem HolstenBestand, König Pilsener und Licher, sollen an die Bitburger Gruppe weiterverkauft werden.

Seit Monaten war über den Verkauf von Holsten an einen Investor verhandelt worden. Vor wenigen Wochen hatte es jedoch noch geheißen, die Suche sei zunächst erfolglos geblieben. Mit der Übernahme steigt Carlsberg zum viertgrößten Bierbrauer in Deutschland mit einem Gesamtausstoß von rund 8,4 Millionen Hektolitern auf. Bisher stellte der Konzern hier zu Lande nur etwa 500000 Hektoliter der Marken Hannen Alt, Gatz und Tuborg her. Jetzt kommen unter anderem die Marken Holsten und Astra hinzu.

In Deutschland gibt es rund 1300 Brauereien. Sie sind im internationalen Vergleich relativ klein und daher Übernahmekandidaten für größere ausländische Brauereien. Durch Übernahmen ist auch der belgische Bierkonzern Interbrew zum größten Hersteller in Deutschland aufgestiegen, mit einem Ausstoß von mehr als 15 Millionen Hektolitern Bier pro Jahr. Zu Interbrew gehören mittlerweile Beck’s, Diebels und die bayerische Spaten-Gruppe. Zusätzlichen Druck erzeugte im vergangenen Jahr das Dosenpfand. Unter anderem sackte deshalb der Bierausstoß um vier bis fünf Prozent auf etwa mehr als 100 Millionen Hektoliter ab.

Nach dem Verkauf von Holsten gilt als nächster großer Übernahmekandidat die Gruppe Brau&Brunnen, der bisher viertgrößte deutsche Bierbrauer. Die Großaktionärin Hypo-Vereinsbank will sich seit geraumer Zeit von dem Konzern trennen, war aber bei der Suche nach einem Käufer bisher nicht erfolgreich. Zu Brau&Brunnen gehören unter anderem die Marken Jever und Berliner Pilsener. Nach einem Verkauf des Konzerns dürfte etwas Ruhe auf dem deutschen Biermarkt eintreten, schätzt Franz Weihrauch, Sprecher der Krombacher Brauerei. Das Unternehmen legte am Dienstag die Zahlen für 2003 vor. Danach konnte Krombacher den Bierausstoß gegen den allgemeinen Trend um fast zwölf Prozent auf 5,4 Millionen Hektoliter steigern – und erwartet laut Weihrauch auch 2004 Wachstum. Erfolge verbucht ebenfalls der Hersteller von Warsteiner, die Haus Cramer KG. Dort konzentriert man sich auf das profitable Geschäft und hat sich im vergangenen Jahr von Discounter-Bieren getrennt. Der Warsteiner-Sprecher Michael Walewski sagte dem Tagesspiegel, er könne sich „Zukäufe vorstellen“, solange sie Erträge versprächen.

Carlsberg will den Holsten-Vertrieb nutzen, um die eigenen Stammmarken Tuborg und Carlsberg besser in Deutschland zu vermarkten. Ansonsten will sich Carlsberg vor allem auf den norddeutschen Markt konzentrieren und stößt deshalb König Pilsener aus Duisburg und das hessische Licher Pils ab. Beide Marken kauft die Bitburger Gruppe für 469 Millionen Euro. Bitburger-Chef Michael Dietzsch sagte dem Tagesspiegel, seine Gruppe sei auch am Erwerb der Mineralwassersparte aus dem Holsten-Konzern interessiert. Von diesem Geschäft – mit einem geschätzten Wert von 159 Millionen Euro – will sich Carlsberg nach einer erfolgreichen Übernahme von Holsten ebenfalls trennen. Dass Bitburger selber von einem Konkurrenten geschluckt werde, schloss Dietzsch aus. Die Gesellschafter stünden zum Unternehmen. Auch bei Warsteiner und Krombacher wird betont, nicht zum Verkauf zu stehen.

Auffällige Bewegung

Die Holsten-Aktie stieg nach Veröffentlichung der Übernahmepläne bis Handelsschluss um rund 9,5 Prozent auf 37,77 Euro. Allerdings hatte es in den vergangenen Tagen bereits einen starken Kursanstieg gegeben. Eine Sprecherin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht sagte dem Tagesspiegel, der Kursverlauf sei „auffällig“. Das Amt überprüfe, ob es Manipulationen oder Insidergeschäfte gegeben haben könnte. Das werde aber bei jeder Übernahme routinemäßig gemacht, sagte die Sprecherin. Erst in einigen Wochen könne man sagen, ob tatsächlich Unregelmäßigkeiten vermutet werden müssten.

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