CarSharing 2.0 : Jetzt werden Privatautos gemietet

Der Carsharing-Markt wächst, jetzt steigt auch Opel ein. Und der Konzern aus Rüsselsheim setzt auf ein ganz neues Modell: Eine eigene Flotte soll es nicht geben, stattdessen sollen private Autos untereinander ausgeliehen werden. Aber für wen lohnt sich das überhaupt?

Alexander Triesch
„Nutzen statt Besitzen“ kann sich lohnen.
„Nutzen statt Besitzen“ kann sich lohnen.Foto: Fotolia

Jetzt steigt auch Opel ein. Der Autohersteller aus Rüsselsheim stellt am 24. Juni sein Carsharing-Modell CarUnity vor. Eine eigene Fahrzeugflotte wird es nicht geben. Stattdessen sollen die Nutzer ihre Autos auf einer Internet-Plattform anbieten können. Dazu hat Opel eine App entwickelt, die von den 16 000 Opel-Beschäftigten getestet wird. Das eigene Auto besser nutzen (lassen) oder ganz auf einen eigenen Wagen verzichten – darum geht es nicht nur bei Opel. Teilen und Sparen, das ist der Sinn des Carsharings.

Kooperation von Daimler und der Deutschen Bahn

Der Trend geht weg vom Auto. In Berlin hat nur noch jeder Fünfte ein eigenes Auto. Die Menschen nutzen den öffentlichen Nahverkehr und das Fahrrad. Und wenn es doch einmal ein Auto sein soll, bietet sich Carsharing an. Wenn sich viele ein Fahrzeug teilen, sparen sie Geld und müssen sich nicht um die Instandhaltung kümmern.

„In den Städten wird in Zukunft ein Großteil der Autofahrer auf Carsharing umsteigen“, glaubt der Mobilitätsforscher Weert Canzler vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB). „Nutzen statt Besitzen“ sei der Trend, auf den sich nicht nur die Autohersteller einstellen, sondern auch die Deutsche Bahn. Kürzlich haben Daimler mit Car2Go und die Bahn mit Flinkster ihre Dienste enger zusammengeführt, sodass Kunden des einen nun auch Fahrzeuge des jeweils anderen nutzen können.

Mehr als 2300 Carsharing-Autos in Berlin unterwegs

In Berlin sind alle der fünf großen deutschen Anbieter Car2Go, DriveNow von BMW, Flinkster, stadtmobil und Cambio am Start – mit insgesamt über 2300 Autos. Carsharing lohnt sich für jeden, der im Jahr weniger als 10 000 Kilometer mit dem Auto fährt, hat die Stiftung Warentest ermittelt. Aber nicht nur: „Es ist jedem zu empfehlen, Carsharing als Ergänzung zu öffentlichen Verkehrsmitteln einfach mal auszuprobieren“, sagt Marion Jungbluth vom Bundesverband der Verbraucherzentralen. Derzeit nutzen knapp eine Million Deutsche die Carsharing-Angebote. Anders als bei der klassischen Autovermietung können die Nutzer beim Carsharing ein Fahrzeug rund um die Uhr über das Smartphone buchen, notfalls auch nur für wenige Minuten.

Neben dem stationsbasierten System hat sich das sogenannte „Free-Floating“ von Car2Go und DriveNow für kurze Strecken im Stadtverkehr etabliert. Dabei kann der Kunde einen Wagen über die App des Anbieters auf einem Parkplatz in seiner Nähe orten und direkt anmieten. Dort hat ihn zuvor ein anderer Kunde abgestellt. Nach Gebrauch parkt er das Auto – an einem beliebigen Ort im festgelegten Gebiet. Möglichst kurz sollen hier die Übergänge von einem Kunden zum nächsten sein, daher ist das Free-Floating nur in den innerstädtischen Zonen verfügbar.

Alle Anbieter mit Vollkaskoversicherung

Wer sich für einen Anbieter entschieden hat, muss online oder in einem Service-Center ein Benutzerkonto einrichten und den Führerschein vorlegen. „Wir raten dazu, die verschiedenen Dienste genau zu vergleichen, um das individuell passende Angebot zu finden“, sagt Jungbluth. So verlangen Cambio und Stadtmobil monatliche Gebühren, bieten dafür aber besondere Tarife für Studenten und Dauernutzer an.

Die Fahrzeuge haben standardmäßig eine Vollkaskoversicherung, bei selbst verschuldeten Schäden muss jedoch ein Eigenanteil bis zu 1500 Euro bezahlt werden. Das gilt schon bei kleineren Kratzern. Kunden sollten deshalb den Wagen vor jeder Fahrt überprüfen. Gegen einen jährlichen Beitrag lässt sich der Versicherungsschutz erhöhen. Für die Anmeldung ist eine einmalige Gebühr fällig, je nach Dienst liegt diese zwischen 19 und 50 Euro. Danach kann per App, im Internet oder telefonisch ein Fahrzeug gebucht werden. Bei der Registrierung erhält der Kunde eine Chipkarte zum Öffnen des Wagens. Dienste wie Flinkster und Car2Go erlauben das Entsperren auch über das Smartphone. Der Autoschlüssel befindet sich im Handschuhfach oder in einem Tresor, der mit einer persönlichen PIN entriegelt wird.

"Mit wenigen Klicks steht einem praktisch die Welt offen"

Aus Pkw-Typ und Tageszeit errechnen die stationsbasierten Anbieter dann eine stündliche Pauschale. Für 2,30 Euro pro Stunde gibt es bei Flinkster einen Fiat Panda im Standard-Tarif, eine C-Klasse kostet sieben Euro; wer nachts fährt, zahlt aber nur 1,90 Euro für den Mercedes. Beim Free-Floating wird im Minutentakt ein fester Betrag abgerechnet. Hinzu kommen bei beiden Carsharing-Formen Kosten pro Kilometer, Car2Go und Drive-Now bieten Freikilometer für kurze Fahrten. Tanken ist bei allen großen Anbietern im Preis enthalten. Entweder liegt eine Tankkarte im Wagen oder der Dienst berechnet entsprechende Freikilometer.

Schaltzentrale ist bei allen Vorgängen das Smartphone – beim Navigieren, Tanken oder Bezahlen. „Mit wenigen Klicks steht einem praktisch die Welt offen“, sagt Canzler. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) unterstützt das Teilen. Dobrindt will das Carsharing fördern, indem er den Kommunen gestattet, kostenfreie Sonderparkplätze auszuweisen. Einen Gesetzentwurf hat das Ministerium bereits vorgelegt. Bis 2020 sollen drei Millionen Nutzer unterwegs sein.

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