Carsharing : Teilen und fahren

Carsharing ist so beliebt wie noch nie, mehr als 450.000 Autofahrer nutzen das Mobilitätsmodell. Das Angebot der Autohersteller bringt den Markt in Schwung.

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Kleine Autos, größter Anbieter. Daimler ist mit seinen Smarts von Car-2-Go Marktführer auf dem Markt für konzerngebundenes Carsharing.
Kleine Autos, größter Anbieter. Daimler ist mit seinen Smarts von Car-2-Go Marktführer auf dem Markt für konzerngebundenes...Foto: Kai-Uwe Heinrich

Immer mehr Autofahrer in Deutschland verzichten auf den eigenen Wagen und teilen sich Carsharing-Fahrzeuge mit anderen. Mehr als 453 000 Bundesbürger nutzten 2012 mindestens einmal stationsbasierte oder frei im Straßenraum verfügbare Carsharing-Angebote, wie der Branchenverband BCS am Dienstag mitteilte. Rund 200 000 Neukunden konnten im vergangenen Jahr gewonnen werden – so viele wie noch nie. Auch die Zahl der angebotenen Autos stieg deutlich auf 11 250. Mehr als die Hälfte davon stehen an 3250 Stationen in 343 Städten und Gemeinden zur Verfügung. Der Rest sind Free-Floating-Fahrzeuge, die in den Großstädten nicht an festen Stationen abgeholt und abgegeben werden müssen. Deutschland liegt damit hinter den USA weltweit auf Platz zwei.

Die Branche leitet aus dem Erfolg verkehrspolitischen Handlungsbedarf ab: „Diese Entwicklung gibt uns Ansporn, uns verstärkt für die Verbesserung der Rahmenbedingungen der umweltfreundlichen Autonutzung in Kombination mit dem öffentlichen Verkehr und dem Radverkehr gegenüber der Politik einzusetzen“, sagte Willi Loose, Geschäftsführer des BCS. Der Präsident des Umweltbundesamtes, Jochen Flasbarth, unterstützt diese Forderung. „Das Umweltbundesamt empfiehlt den Ausbau von verkehrsmittelübergreifenden Mobilstationen“, sagte er. Außerdem müssten in den Stadtgebieten ausreichend Stellplätze im öffentlichen Straßenraum zur Verfügung gestellt werden. „Hierfür ist eine bundesgesetzliche Regelung erforderlich.“

Auf Interesse stößt Carsharing vor allem bei jüngeren Menschen zwischen 25 und 34 Jahren sowie gut ausgebildeten Arbeitnehmern, die nur selten ein Auto nutzen oder besitzen. Dies ergab eine Umfrage des Beratungsunternehmens Frost & Sullivan.

Angesprochen ist damit eine Zielgruppe, um die sich die Automobilhersteller verstärkt bemühen. Denn gerade bei vielen Jüngeren hat das eigene Auto als Statussymbol ausgedient. Auch deshalb sind Konzerne wie Daimler, BMW und Volkswagen ins Carsharing eingestiegen. Mit Erfolg, wie die Beispiele von Drive- Now (BMW) und Car-2-Go (Smart) zeigen, die zuletzt in Deutschland nach eigenen Angaben 88 000 beziehungsweise 120 000 angemeldete Nutzer zählten. Laut BCS verdoppelte sich 2012 die Kundenzahl im Free-Floating-Carsharing. Bundesweit konnten die Nutzer demnach auf 4550 Autos zugreifen.

Hauptstadt des Carsharings ist Berlin. Hier tummeln sich neben kleineren Anbietern, die den Pkw-Verleih unter Privatleuten organisieren, und traditionellen Firmen wie Greenwheels insgesamt sechs verschiedene Carsharer. BMW und Daimler sind seit 2011 mit Drive-Now und Car-2-Go an der Spree unterwegs. 1200 Smarts sowie 600 Minis und BMWs stehen Nutzern im Einweg-Carsharing zur Verfügung. Registrierte Kunden können die in der Stadt verteilten Fahrzeuge mit einer Chipkarte öffnen, gegen Gebühr nutzen – und an einer beliebigen Stelle im Geschäftsgebiet wieder parken. Mit einer elektrischen Flotte von 100 Citroën C-Zero ging Multicity 2012 an den Start, bis 2014 soll der Fuhrpark auf 500 Fahrzeuge erweitert werden. 50 E-Autos kann man auch bei Flinkster, dem Carsharing der Bahn (205 Fahrzeuge), mieten. Flinkster setzt insgesamt 2800 Autos - davon etwa 100 Elektrofahrzeuge – in 140 Städten ein. Im vergangenen Jahr startete in Berlin auch Citeecar. 100 Kia Rio wurden „Hosts“ gratis zur Verfügung gestellt, die für Wartung und Parkraum sorgen und die Autos vermieten. 100 Kias kommen 2013 hinzu. Citeecar-Chef Bill Jones zeigte sich erfreut über die positive Bilanz des Branchenverbandes BCS und erinnerte an ein anspruchsvolles Ziel: „Wir tragen entscheidend zum Ziel des BCS bei, zwei Millionen Carsharer bis 2020 zu erreichen.“

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