Wirtschaft : CD-Rom statt Bankkredit

-

Silke Röbke ist Jungunternehmerin. Vor zwei Monaten hat sie das Uhren und Schmuckgeschäft ihres Vaters in Rostock übernommen. Und das war gar nicht so einfach. Frau Röbke ist zwar „Betriebswirtin des Handwerks", aber keine Uhrmachermeisterin – deshalb wurde ihr im Herbst 2001 von der Handwerkskammer verboten, den Betrieb des Vaters zu übernehmen. Daraufhin beantragt der Vater eine Ausnahme zur Eintragung in die Handwerksrolle. Das klappt, wenn auch nur befristet. Für die Übernahme braucht Röbke Geld. Das Landesförderinstitut teilt ihr mit, bei einer Betriebsübernahme durch Familienmitglieder ersten Grades sei eine Förderung nicht möglich. Dieselbe Auskunft beim Arbeitsamt. Bei der Hausbank bemüht sich Röbke derweil um einen Kredit über 120 000 Euro. Im Juli gibt es einen negativen Bescheid der Bank, Ende August bekommt Röbke endlich einen Termin beim Kundenberater der Bank: Sie sei nicht kreditwürdig, auch der Bank gehe es schlecht. Im September vermittelt die Rostocker IHK Frau Röbke einen Gesprächspartner bei der Sparkasse – einen Monat später kommt eine Absage. Beim Arbeitsamt bemüht sie sich um Überbrückungsgeld für Existenzgründer. Das Amt schickt sie zur landeseigenen „Gesellschaft für Strukturentwicklung und Beschäftigung". Dort wird sie gut beraten und erhält eine CD-Rom: „Wie erstelle ich ein behördentaugliches Unternehmenskonzept?"

Bei der Hausbank will Röbke im Dezember ein Geschäftskonto einrichten, aber weil sie dort keinen Kredit bekommt, darf sie auch kein Geschäftskonto einrichten. Das erlaubt dann die Volksbank. Im Januar kommt ein Schreiben vom Arbeitsamt: Sie muss noch ein Formular ausfüllen zur „versicherungsrechtlichen Beurteilung von Beschäftigung zwischen Angehörigen". Das Geschäft hat Röbke inzwischen übernommen, finanziert mit einem Familienkredit, den sie in den kommenden zehn Jahren zurückzahlt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben